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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

dem Sklaven sogar den Namen. Namentlich dieVenezianer, Amalfitaner und Genuesen machten inSklaven ein großes Geschäft. Ein Hauptsklavenmarktim Occident war Rom selbst, im Orient Byzanz, wo,solange das griechische Kaiserreich bestand, die Sklavereiüberhaupt nicht ausstarb, und ferner die sarazenischenKönigreiche. Hier vor allem eine starke Nachfragenach Sklaven; denn das mohammedanische Recht ge-stattete, wie bemerkt, nicht, daß ein MohammedanerSklave eines Mohammedaners sei. Die mohammedani-schen Sklaven waren indes wesentlich nur Haussklaven,besonders weibliche Sklaven. Die Nachfrage danachwurde wesentlich durch italienische Kaufleute gedeckt.Dabei verkauften sie, trotz aller dagegen gerichtetenVerbote von Kaiser und Papst, an die Sarazenen ebensoChristen wie Heiden.

In Italien 1 ) finden wir nicht nur während desganzen Mittelalters christliche Sklaven, sondern bisins 14. Jahrhundert wurden sogar griechische Knabenund Mädchen als Sklaven eingeführt. Thomas von Aquin ,den Leo XIII . auch noch unserer Zeit als den einzigenPhilosophen empfohlen hat, Egidius Colonna , der hl.Antonius von Florenz haben sogar, im Anschluß anAristoteles , die Sklaverei zu rechtfertigen gesucht, undwährend des ganzen Mittelalters haben Kirchen undKlöster christliche Sklaven besessen; desgleichen diegeistlichen Ritterorden. So bildeten Sklaven einennicht unbeträchtlichen Bestandteil des Besitzes desHospitaliterordens 2 ). Den Ordensbeamten und Brüdern

') Vgl. Otto Langer, Sklaverei in Europa während derletzten Jahrhunderte des Mittelalters. Wissenschaftliche Beilagezum Programm des Gymnasiums zu Bautzen. Ostern 1891.Ferner: Filippo Zamboni, Gli Ezzelini Dante e gli Schiavi.(Roma e la Schiavitü personale domestica.) Wien 1897.

2 ) P r u t z , Kulturgeschichte der Kreuzzüge. 252.