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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum

gleichviel oh sie die Fürsorge für die durch das Be-stehen des Eigentums hervorgerufenen Armen denEigentümern als Pflicht auferlegen oder mit Rücksichtauf die Not der durch das Sondereigentum vom Genußdes allen Gegebenen Ausgeschlossenen das Eigentum anden Produktionsmitteln beseitigen wollen. Wir werdendiesem Gedanken im Evangelium, bei den Kirchen-vätern, bei den im Mittelalter für dasarme LehenBegeisterten, beim heiligen Franziskus, bei Wyclifitenund Hussiten, hei den kommunistischen Sekten des16. und 17. Jahrhunderts, wie bei den Neuerern des18. und 19. Jahrhunderts begegnen.

Außerdem ergab sich aus der Eigentumslehre desAlten Testaments das unbedingte Verbot jedes rück-sichtslosen Strebens nach Erwerb und Gewinn. DasAnsammeln vonviel Gold und Silber wird darinausdrücklich verboten, und das Zinsnehmen vom Volks-genossen wird gerade unter Hinweis darauf, daß allesEigentum nur eine Gabe Gottes sei, untersagt.

Die alttestamentarische Auffassung vom Eigentumist auch die prinzipielle Auffassung des Christentumsbis zur Reformation, und, wo die Welt auch nachderselben katholisch blieb, bis nahe an unsere Tage.Aber allerdings ist es nur die prinzipielle Auffassungdes Christentums geblieben, und wehe denen, welchesie im Leben verwirklichen wollten. Sie wurden, seitdie Kirche Staatsanstalt geworden ist, grausam ver-folgt. Die christliche Lehre aber hat sich mit denNotwendigkeiten des wirklichen Lebens schrittweisesoweit verständigt, daß die Lehre ihrer heutigen autori-tativsten Interpreten mit der altchristlichen Lehrenahezu in Widerspruch steht.

Christus hat die Verachtung der irdischen Güter ge-lehrt und wiederholt und eindringlich betont, wieschwierig, wenn nicht unmöglich, es dem Reichen sei,