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das Himmelreich zu erlangen. „Ihr könnt nicht Gottdienen und dem Mammon“, heißt es Matth . YI. „Sorgetnicht für eur Leben, was ihr essen und trinken werdet;auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet.Nach solchem allem trachten die Heiden. Trachtetam ersten nach dem Reiche Gottes und nach seinerGerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.“Und von noch folgenschwererer Bedeutung war dasvon Jesu dem reichen Jüngling gesagte Wort: „Willstdu vollkommen sein, so gehe hin und verkaufe, wasdu hast, und gib es den Armen.“
Damit war das Eigentum nicht verneint; mankann sogar sagen, es war damit anerkannt. Alleines war doch nur als eine Tatsache anerkannt, undzwar als eine Tatsache, welche der Erlangung desReiches Gottes und seiner Gerechtigkeit hinderlich sei,und von der man sich befreien müsse, um vollkommenzu werden. Zur Vollkommenheit gehört also, daßman das Seine beiträgt zur Wiederherstellung desIdealzustandes, wie er vor der Entstehung des Eigen-tums bestanden hat, indem man sein Eigentum denArmen zuwendet.
So haben die ersten Christen diese Lehren auf-gefaßt, wie die Apostelgeschichte zeigt. Allein, wieschon Luther hervorgehoben, forderten sie nicht, daßdie Güter anderer gemein würden, sondern freiwilliglegten sie ihre eigenen Güter zusammen, und nur dieLüge derjenigen, welche Sondereigentum zurück-behielten, während sie, um den Schein des Strebensnach Vollkommenheit zu erwecken, angeblich ihreGüter hingaben, wurde in dem Falle von Ananias und Saphira mit dem Tode bestraft. Immerhin aberbildete sich auf Grund der in Christi Worten ent-haltenen Aufforderung zur Weltflucht eine gesellschafts-feindliche Anschauung unter den Christen und Gliedern