Druckschrift 
Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176

Lujo Brentano

Wer den Herrn besitzt und mit dem Prophetenspricht: ,Der Herr ist mein Anteil', darf außer demHerrn nichts besitzen, schreibt Hieronymus , und Am-brosius sagt in gleicher Weise:Der, dessen AnteilGott ist, soll sich um nichts kümmern außer um Gott,damit er in dieser Sorge durch kein anderes Geschäftbehindert werde. Auch beruft sich Augustinus aufden Bericht im 4. Kapitel der Apostelgeschichte überdas Leben der ersten Christen, in dem alles gemeinsamgewesen sei, um die Gütergemeinschaft als den idealenZustand hinzustellen, nach dessen Verwirklichung zummindesten die Kleriker streben sollten.

Das war die Rückkehr zu der Vorschrift desApostels PaulusNemo militans Deo implicat se ne-gotiis saecularibus. Daß dieser Satz nicht den Erwerbdurch die Hände Arbeit, um den Lebensunterhalt zugewinnen, ausschloß, hat Paulus damit gezeigt, daß erselbst Weber war, um das zum Leben Unentbehrlichesich zu erarbeiten. Allein unter den früheren Verhält-nissen war es auch unvermeidlich gewesen, daß Geist-liche, um ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, Handeltrieben. Tertullian hat vergeblich dagegen geeifert.Wir wissen sogar aus Cyprians Schriftüber die Ge-fallenen, daß selbst Bischöfe mit Handelsgeschäftensich abgaben.Sie verließen ihren Stuhl, entferntensich von ihrer Gemeinde, schweiften in fremden Sprengelnumher uud haschten auf Märkten nach einträglichemHandel, und während die Brüder in der Kirchehungerten, wollten sie Geld im Überflüsse besitzen,rissen durch hinterlistige Ränke Grundstücke an sichund vermehrten den Gewinn, Zinsen auf Zinsenhäufend. Das war freilich in direktem Widerspruchzu den Evangelien und zu den Worten des Paulus.Dagegen denn auch der Eifer des heiligen Cyprian .Allein soweit die Geistlichen dabei nur nicht ihren