Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum 183
Land, und zu diesen Vaganten gehörten nicht wenigeStudenten und arme Kleriker. Das Evangelium(Matth . XIX) vom reichen Jüngling kannten sie gut,und die sich daran knüpfenden Lehren der Väter hattensie auf der Schule gehört. Nicht minder aber kanntensie das ihnen widersprechende Lehen der Beherrscherder Kirche. In heißenden Spottliedern brachten siedem Volke diesen Widerspruch zum Bewußtsein. Liestman, was Glaser daraus anführt, so glaubt man einenSimplizissimus des 12. Jahrhunderts zu lesen. Demdamals in seiner ersten Ausbreitung befindlichenkapitalistischen Geiste gegenüber wird die Lehre Jesuvom ungerechten Mammon wieder Volksideal. Undwenn Arnolds Wirken zur Entstehung einer Reihe vonOrganisationsversuchen der Nichtbesitzenden zur Aus-breitung dieser Ideen den Anstoß gab, so war esJoachim v. Floris, der für viele kommende Generationenallen diesen Bestrebungen das ihren Ideen entsprechendeZiel setzte. Er entwarf phantastische Bilder einesglücklichen Zukunftsstaates, des tausendjährigen Reiches.Alsdann wird völlige Besitzlosigkeit herrschen; an dieStelle des tätigen Lebens wird die Ruhe des Beschauenstreten; das heilige Jerusalem kommt vom Himmel da-nieder ; und zwar wird diese höchste Stufe gesellschaft-licher Entwicklung, wo ewiger Friede herrscht, wo esweder Eigentum noch Knechtschaft gibt, und wo Milchund Honig fließt, eingeleitet werden durch einen besitz-losen Mönchsorden. Damit schien der Orden des heiligenFranziskus, als er bald darauf in die Erscheinungtrat, prophezeit.
Es ist begreiflich, daß diese Bestrebungen zurVerwirklichung des »armen Lebens“ in den TeilenEuropas den fruchtbarsten Nährboden fanden, in denendie beginnende kapitalistische Entwicklung am vor-geschrittensten war. Es waren dies Oberitalien und