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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

tum im Naturrecht begründet sei; es sei erst durchAkt der positiven Gesetzgebung entstanden. Daskanonische Recht hat dieselbe Auffassung mit Nach-druck vertreten. Selbst Thomas v. Aquin hat daranfestgehalten, daß die Teilung der Güter nicht aufNaturrecht, sondern auf positivem Gesetze beruhe, undnur betont, das Privateigentum widerspreche nicht demNaturrecht, sondern sei durch die menschliche Vernunftdem Naturrecht hinzugefügt. Und noch jahrhunderte-lang nach dem heiligen Thomas haben die größtenLehrer der katholischen Kirche sogar die Lehre einesBasilius, Gregor v. Nazianz, Ambrosius, Augustinus ,Hieronymus, Chrysostomus, häufig unter Gebrauch vonderen eigenen Worten, wiederholt. In Gegensatz hierzuhat Leo XIII. in der gedachten Enzyklika erklärt:Merito universitas generis humani, dissentientibuspaucorum opinionibus nihil admodum mota, studiosequenaturam intuens, in ipsius lege naturae funda-mentum reperit partitionis bonorum,possessionesque privatas, ut quae cum homi-num natura pacatoque et tranquillo convictu maximecongruant, omnium saeculorum non consecravit. Legesautem civiles, quae, cum justae sunt, virtutem suam ahipsa naturali lege ducunt, id jus, de quo loquimur,confirmant ac vi etiam adhibenda tuentur. Dies isteine völlige Umkehr der mehr als tausendjährigenkirchlichen Lehre. Bisher ging diese dahin, daß gemäßdem Naturrecht Allen Alles gemein sei und die Teilungder Güter in Sondereigentum lediglich auf positivemGesetze beruhe; Leo XIII. sagt, daß sie auf Natur-recht beruhe und daß das positive Gesetz, indem essie mit Zwangsgewalt schütze, lediglich das Gebot desNaturrechts zur Geltung bringe. Während Clemensvon Alexandrien (Paedagog. II c. 12 Migne, Patr. graecaVIII, 543) schrieb:Gott hat uns das liecht des Ge-