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Lu jo Brentano
schreibt: „Wenn du mehr hast, als dir zur Nahrungund Kleidung nötig ist, so gib es weg, und für so vielerachte dich als Schuldner“, sagt die Enzyklika:„Nemo jubetur . . . tradere aliis quo ipse egeat ad idservandum quod personae conveniat, quodque deceat:nullus enim inconvenienter vivere debet.“
Indes wo bin ich angelangt ? Ich wollte eineAnzeige der Schrift Glasers schreiben und der vonihm behandelten Bewegung ihre Stellung in der Ent-wicklung der Anschauungen über das Eigentum an-weisen und bin darüber zu einer Abhandlung über dieEntwicklung der Angriffe auf das Eigentum, dieStellung, welche die kirchliche Lehre in dieser Ent-wicklung einnimmt, und die Wandlung, welche diesekirchliche Lehre erfahren hat, gekommen. Dabei seibemerkt, daß sowohl Glaser wie auch ich selbst keiner-lei Tadel gegen die Kirche wegen dieser Wandlungauszusprechen beabsichtigen. Wir finden sie völlig inder Natur der Dinge begründet. Nur erheischt es diewissenschaftliche Wahrhaftigkeit, daß diese Wandlunggegenüber der Behauptung einer Unwandelbarkeit inder kirchlichen Lehre festgestellt werde. Leo XIII .war ein eifriger Verehrer des Thomas v. Aquin. Erhat ihn auch in seiner Enzyklika wiederholt zitiert.Allein wenn er sich als seinen Schüler bekennt, so ister dies nicht, indem er dessen Eigentumslehre wieder-gibt; denn die Eigentumslehre Leos XIII . ist weitmoderner als die des Thomas; sie verhält sich zu dieser,wie die thomistische sich etwa zu der der Kirchenväterverhält. Leo XIII . ist der Schüler des Thomas viel-mehr eben in der Art und Weise, wie er gleich diesemseine Eigentumslehre mit den vorgeschritteneren wirt-schaftlichen Verhältnissen in Einklang zu bringenbemüht ist. Glaser ist bei allem dem Eleiße, den erdem Studium der Franziskanischen Bewegung gewidmet