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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

und von Geldwert zur Zeit, da er sie wieder verkauft.Seiner Tätigkeit eigentümlich ist also ein stetes Ver-gleichen und Rechnen. Er legt eine Geldsumme an ineiner Ware, um diese wieder in eine Geldsumme zurück-zuverwandeln. Er vergleicht also die Geldsumme, dieer anzulegen hat, mit der Geldsumme, die er, wenner sie in der einen oder anderen Ware anlegt, beimWiederverkauf erhält. Der Vergleich des angelegtenmit dem wiederempfangenen Geldwert zeigt ihm denerzielten Uberschuß, und sein Streben geht dahin, daßdieser Überschuß möglichst groß sei.

Daher denn von Anfang an der Handel in schroffemGegensatz zu jeder auf Naturalwirtschaft beruhendenWirtschaftsordnung steht. Eben weil in dieser jedeWirtschaft alles, was sie braucht, selbst herstellt, findenwir bei allen Völkern als die ersten Kauf leute Fremde.Der Fremde ist aber bei allen Völkern auf niedrigerKulturstufe der Feind 1 ). Und daher auch von Anfangan ein anderes Prinzip, das den Handel beherrscht.Die Beziehungen der Angehörigen derselben Wirt-schaftseinheit zueinander werden ja noch heute durchAutorität und Herkommen geregelt, und einem jedenFamilienmitglied werden die der Familie verfügbarenGüter nach Maßgabe seiner vom Familienhaupt alsberechtigt anerkannten Bedürfnisse zuteil. Und nichtanders war es unter Volksgenossen, Stammesgenossen,den Angehörigen einer Grundherrschaft oder einer Gilde,als noch das Volk, der Stamm, eine Grundherrschaftoder eine Gilde die Wirtschaftseinheit bildeten 2 ).

*) Vgl. Caesar, De bello gallico VI, 23. Leist, Alt-arisches Jus Gentium. Jena 1889, S. 28, 29. Georg Ebers, Ägyptische Studien, Stuttgart 1900, S. 421.

2 ) Siehe die weitere Ausführung des im Texte Gesagten inAbhandlung VIIÜber Begriff und Wandlungen der Wirtschafts-einheit.