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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

anderes, den Geist mit der Sorge, ohne körperlicheArbeit Geld anzuhäufen, zu erfüllen, wie dies dieKaufleute, Verwalter und Großpächter tun; denn vollSorge leiten sie ihr Geschäft, aber arbeiten nicht mitden Händen; daher ihr Geist von dem Gedanken, zuerwerben, in Beschlag genommen ist. Dementsprechendhaben eine Anzahl Synoden*) dem Geistlichen zwarden Betrieb eines Handwerks oder die Bestellung einesAckerchens erlaubt, nicht aber die kapitalistischen Erwerbsarten jener Zeit: die Großpacht, die finanzielleVerwaltung von Latifundien, den Handel, um von dendamals den Christen allgemein verbotenen Darleihengegen Zins ganz zu schweigen. Dasselbe zeigen dieBemerkung des Ambrosius * 2 ), daß Josua zwar imstandegewesen sei, die Sonne zum Stillstände zu zwingen,nicht aber der Gewinnsucht Herr zu werden, und dielustige Geschichte von einem Schauspieler, welcheAugustinus 3 ) als Beispiel dafür erzählt, daß es einBegehren gibt, das alle gleichmäßig beseelt, so daßes sich Vorhersagen lasse. Dieser Schauspieler habebekannt gemacht, er werde im Theater allen sagen,was ihre Seele erfülle, und wonach ein jeder strebe.An dem bestimmten Tag sei darauf eine große Mengeins Theater geströmt. Da habe er den in gespannterErwartung Schweigenden zugerufen: Ihr wollt billigkaufen und teuer verkaufen. Und alle hätten sichin dem Ausspruch so sehr wiedergefunden, daß sie demscharfblickenden Spötter begeistert Beifall geklatschthätten.

*) Harduin, Conc. I, 963 can. 15; vgl. dazu ebenda 1,982 can. 5153; ferner Harduin, Conc. II, 601 can. 3; II, 774,c. 14; II, 796, c. 13; II, 1041, c. 2.

2 ) De off. ministr. II, c. 26, Nr. 130. Migne, Patr. lat.XYI, 146.

8 ) De Trinitate lib. 13, cap. 3. Migne, Patr. lat. XLII, 1017.