224
Lnjo Brentano
dem Einfluß der Eroberung der syrischen Städte zuerstdurch die Perser und dann durch die Araber, drängendie Juden die Syrer ganz in den Hintergrund. Hattensie schon vor dem Sturz des Römerreichs Anteil amWelthandel, so gelangten sie zu noch größerer Blütenach seinem Ende * 1 ). Durch Glauben und gemeinsameTradition verbunden und in fortwährender Beziehungzu ihren Glaubensgenossen in Spanien, Italien, Afrika und im Orient waren sie in der allgemeinen Auflösungallein organisiert. Gegen die indischen Spezereien unddie übrigen Kostbarkeiten des Orients gaben sie dasGold und Silber der europäischen Bergwerke und dieGefangenen, welche die germanischen Völker in ihrenKriegen zu Sklaven gemacht hatten. Dabei kam ihnendas kanonische Recht noch zu Hilfe. Denn indem esden Christen das Zinsnehmen verbot, verschaffte esihnen in der Geldleihe das Monopol 2 ). Durch denGeldbesitz wie durch die orientalischen Luxusgegen-
p. 1111): „Hic (comes Heraclianus) matrum gremiis abducere pactas;negotiatoribus et avidissimis mortalium Syris, nobilium puellarumnuptias vendere,“ und Commentai'ia in Ezechiel . (Migne, Patr.lat. XXV, p. 267): „Usque hodie autem permanet in Syris ingenitusnegotiationis ardor, qui per totum mundum lucri cupiditate dis-currunt, et tantam mercandi babent veseniam, ut, occupato nuncorbe Romano, inter gladios, et miserorum neces quaerant divitias,et paupertatem periculis fugiant.“ Siehe ferner W. Heyd , Ge-schichte des Levantehandels im Mittelalter, Stuttgart 1879, 1,S. 24ff. Nach Seheffer-Boichorst (Zur Geschichte derSyrer im Abendland in den Mitteilungen des Instituts für öster-reichische Geschichtsforschung, VI. Bd., 4. Heft) verstanden dieFranken darunter alle Geschäftsleute aus Ägypten und demrömischen Asien.
1 ) Über die Juden und ihr Verhältnis zum Kapitalismus vgl.die letzte Abhandlung in diesem Bande.
2 ) Das wurde schon im Mittelalter anerkannt. So klagt daslateranische Konzil von 1215, daß, je mehr die Christen durchihre Religion vom Zinsennehmen zurückgehalten würden, desto