Dio Anfänge des modernen Kapitalismus
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stände, nach denen das Herz des barbarischen Großenbegehrt, werden sie unentbehrlich, sowohl den Königen,wie dem Adel, sogar der Kirche 1 ). Sie haben folglichunter den Merowingern, wie später unter den Karo-lingern eine äußerst angesehene Stellung, erlangenselbst Verwaltungsstellen und werden bei Gesandt-schaften als Dolmetscher benutzt 2 ). Dann aber habendie Stadtbewohner in Frankreich, Deutschland undEngland den Handel von ihnen erlernt, und auch indiesen nördlichen Ländern entsteht in der heimischenKaufmannschaft das Element, von dem die Auflösungder agrarisch-feudalistischen Wirtschafts- und Gesell-schaftsordnung ausgeht. Aber die Juden haben vielvor den einheimischen Kaufleuten voraus. Sie dürfenZinsen nehmen, diese nicht. Dabei kamen ihnen ihreinternationalen Handelsverbindungen zugute. Sie werdendaher wegen ihrer Privilegien und des vermöge der-selben erworbenen Reichtums beneidet und gehaßt.Sie werden nur mehr geduldet. Ohne den besonderenSchutz der Grundherren, in deren Gebiet sie sich nieder-gelassen, können sie angesichts der Anfeindungen derBevölkerung nicht existieren. Daher die sonderbareStellung der Juden zur Zeit der feudalen Wirtschafts-organisation. Sie sind nicht persönlich unfrei; aber
mehr widmeten die Juden sich diesen Geschäften. Vgl. JuliusAronius , Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischenund deutschen Reiche bis zum Jahre 1215. Berlin 1902, S. 174.
*) Die Juden rühmen sich dieser ihrer Kundschaft so, daßdies die Besorgnis Karls des Großen erregt. Siehe CapitulareCaroli Magni duplex ad Niumagam cap. 4. „Ut singuli episcopi,abbates, abbatissae diligenter considerent thesauros ecclesiasticos,ne propter perfidiam aut negligentiam custodum aliquid degemmis aut de vasis, reliquo quoque thesauro perditum sit, quiadictum est nobis, quod negotiatores Judaei necnon et alii glorianturquod quidquid eis placeat possint ab eis emere.
s ) Vgl. Aronius, a. a. 0. S. 25.
L. Brentano, Der wirtschaftende Mensch.
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