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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die Anfänge des modernen Kapitalismus

Schätzen Konstantinopels und der im Orient zu machen-den Beute der bei allem religiösen Enthusiasmus gold-durstigen Seele der Abendländer vor spiegelten 1 ). Daher,wenn ein Kreuzzug verkündet war, das Streben, sichmit möglichst viel eigenen und gedungenen Leuten zubeteiligen; denn damit steigerte man seinen Anspruchauf Beute und Land. Mit dem erstarkenden Königtum

Freising , nachdem er berichtet hat, wie kurz vor dem erstenKreuzzug die ganze Welt und das Reich insbesondere von Kriegerfüllt gewesen, fährt fort:Allein die Hand des Höchsten be-wirkte plötzlich eine solche Veränderung, daß alle diese fürchter-lichen Gewitter vorüberzogen, und in kurzer Zeit über die ganzeErde eine Stille verbreitet ward, was daher kam, daß unzähligeScharen in Deutschland und Frankreich gegen die Feinde desKreuzes in den Krieg zogen.

>) Dieser Beutelust hatte sich schon Alexius I. zu bedienengesucht, um die Abendländer wie ein großes Warägerkorps zurWiedereroberung des an die Seldschuken verlorengegangenenKleinasiens zu vermögen. In einem Brief an den Grafen vonFlandern preist er die Schätze Konstantinopels und die griechischenFrauen (vgl. Gibbon, The Decline and Fall of the RomanEmpire, Chapt. 57, ed. by J. B. Bury. London 1902, vol. VI,p. 251, Anm. 64. H. v. S y b e 1, Geschichte des 1. Kreuzzugs.2. Aull. Leipzig 1881, S. 7, 9; 260). Boemund, der Fürst vonAntiochien, der von seiner ersten Jugend an wie sein Vater Robert,das Ziel verfolgt hatte, Herr von Konstantinopel zu werden (vgl.Anna Comnena im 6. und 10. Buch ihrer Denkwürdigkeiten ausdem Lehen ihres Vaters), hat auf der im Jahre 11061107 zu-gunsten der Kreuzzügo unternommenen Agitationsreise durchFrankreich die Kanzel in der Kirche bestiegen, da seine Schicksaleund Heldentaten erzählt und, obwohl er durch Treueid der Manndes griechischen Kaisers geworden war, alle Waffentragenden auf-gefordert, ihm gegen das Haupthindernis des Erfolgs der Kreuz-züge, gegen den griechischen Kaiser, zu folgen, und als Lohn diereichsten Städte in Aussicht gestellt.Worauf, berichtetOrdericus Vitalis, Hist. Ecclesiastica, lib. IX, Ausg. vonA. Le Prevost, t. IV, Paris 1852, p. 213,viele heftig erregtwurden, und nachdem sie das Kreuz genommen hatten, alles ver-ließen, und als ob sie zu Festmahlen eilten, den Weg nachJerusalem einschlugen.