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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die Anfänge des modernen Kapitalismus 235

Vasallen geleisteten Treueids hätte gelten sollen, daßsie zur beschlossenen Heerfahrt erschienen, ließen diedeutschen Könige die Fürsten , und diese ihre Vasallennochmals schwören, nicht von der gebotenen Heerfahrtzurückzubleiben, d. h. ihren Treueid nicht zu brechen 1 ).Hem entsprach es, daß der König, gleichviel was diepolitischen Verhältnisse erheischten, eine gegen einenbestimmten Feind beschlossene Heerfahrt nicht eigen-mächtig ändern konnte 2 ). Endlich war, wer einentriftigen Grund Vorbringen konnte, um, wenn auf-geboten, zu Haus zu bleiben, entschuldigt 3 ).

Haber denn die Schwierigkeit, einen Angriffskriegzu führen 4 ). Hie Belege dafür sind unzählig. So kannes 1073 Kaiser Heinrich IV. nicht durchsetzen, diegegen die Polen versammelte Heerfahrt gegen dieSachsen zu führen. Ähnliches wiederholt sich unterHeinrich V. und Friedrich Barbarossa 5 ). Vor allemaber, was konnte man, zumal bei der Mangelhaftigkeitder J Verkehrsmittel, mit einem Heere anfangen, dessenMannschaft nur sechs Wochen zu dienen verpflichtetwar? Manche Vasallen waren aber auch während der

*) Siehe Weiland, Die Reichsheerfahrt Heinrich V. bis

Heinrich VI. nach ihrer staatsrechtlichen Seite, in Forschungenzur Deutschen Geschichte VII, S. 117127; indes verweise ichauf Weiland nur für die von ihm angegebenen Belegstellen, ohneseiner Deutung, die ich für verfehlt halte, beizutreten.

*) Siehe Weiland S. 166, 167, auch S. 115, 116.

*) Vgl. Homeyer a. a. 0. S. 381; Weiland a. a. 0.

S. 142 ff.

*) Vgl. auch Köhler, Die Entwicklung des Kriegswesensund der Kriegsführung in der Ritterzeit von Mitte des 11. Jahr-hunderts bis zu den Hussitenkriegen. III, 3. Breslau 1899, S. 1 ff.

Vgl. Weiland, a. a. 0. S. 166ff. Auf dem ersten

Römerzug Friedrichs I. verweigern sich nach geschehener Krönungdie Großen in seinem Heere, ihm nach Apulien zu folgen; dieArmee geht heim. Otto von Freising II, 1.