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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

vom Grundherrn tritt dessen Verfügung über freieArbeitskräfte durch Vertrag. Der hörige Bauer wirdfreigelassen und ersetzt teils durch Taglöhner, teilsdurch Erbpächter, Halbpächter, Zeitpächter *).

So erscheinen die Kreuzzüge einerseits als diehöchste Blüte der feudalen Ordnung; andererseits erzeugtediese ihre Blüte eine Neuordnung, welche sie allent-halben beseitigen sollte. Ja noch mehr: eben dieseihre Wirkung führte zum Ende der Kreuzzüge. Denndie Interessen des beweglichen Besitzes, welche durchsie so gefördert wurden, vertrugen sich nicht mit ihrerFortsetzung 2 ). Der Handel mit der Levante und denferner liegenden Ländern des Ostens, welcher infolgeder Kreuzzüge einen so mächtigen Aufschwung ge-nommen hatte, wäre dadurch zu sehr gestört worden.Schon damals zeigte sich, wie der als der jüngereBruder des Kriegs zuerst entstandene Handel, der danndas Kriegswesen auf Grund seiner Prinzipien umge-staltet und sich der kriegerischen Mittel zu seinerEntfaltung häufig bedient hat, auf einer gewissen Ent-wicklungsstufe angelangt, zu solcher internationalerVerflechtung der wirtschaftlichen Interessen derVölker führt, daß an die Stelle des Kriegs friedlicheBeziehungen unter den sich bis dahin Befehdendentreten.

Der moderne Kapitalismus hat also im Handel,

!) Allerdings hat damit die Unfreiheit in Italien noch nichtaufgehört. Noch 1657 hat der Papst Alexander VII . Sklaven ge-habt. Aber die Sklaverei, die noch vorkam, war Haussklaverei;es gab noch unfreie Dienstboten. Anders, wo der Arbeiter zuproduktiven Zwecken verwendet wurde. Hier trat mit fort-schreitender Intensität der Wirtschaft an Stelle des unfreien derfreie, in Geld gelohnte Arbeiter.

! ) Vgl. darüber Mas Latrie, Historie de lile de Chypreetc. I. Ch. XIX pp. 499 ff.