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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
Entstehung
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269
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Über Begriff und Wandlungen der Wirtschaftseinheit 269

Wirtschaften wurden die geringen Bedürfnisse allerMitglieder befriedigt. Handel fand bloß mit An-gehörigen fremder Wirtschaftseinheiten statt, wennsolche gelegentlich mit Gütern nahten, mittels derensie die Begehrlichkeit und neue Bedürfnisse weckten,um das, wonach sie verlangten, zu erhalten. Somachten es Phöniker, Griechen und Römer, als sie mitden primitiven gallischen und germanischen Völker-schaften in Handelsverkehr traten, so verhielten sichdie syrischen und jüdischen Händler zu den großenGrundherren der Merowinger - und Karolingerzeit, undso machen wir es heute noch im Verkehr mit un-zivilisierten Völkern und Stämmen.

Der Fremde aber war der Feind. Ursprünglichwar der Verkehr mit ihm nur kriegerisch. Fühlteman sich stärker wie er, und war das Land frucht-barer als das eigene, so suchte man es ihm zu nehmen.Daher, wie Thukydides schreibt, der anfänglich häufigeWechsel der Bewohner derjenigen griechischen Land-schaften, die sich durch Fruchtbarkeit auszeichneten.Vermochte man ihn nicht zu vertreiben, so unternahmman Raubzüge zu Wasser und zu Lande. So berichtetThukydides von den an der Meeresküste wohnendenHellenen, daß sie anfänglich auf Seeräuberei sich ver-legten und daß sie auch auf dem Festlande einanderausraubten. Es geschah dies unter Führung derMächtigen, der Gruudherren, teils weil diese sich selbstbereichern, teils weil sie den von ihnen AbhängigenNahrung schaffen wollten. Aus diesem Handwerkhätten sie ihren Hauptunterhalt gezogen, ohne daßauf ihm irgend ein Schimpf gehaftet hätte. Ebensofinden wir, wie oben dargelegt worden ist, hei denGermanen als den ersten organisierten Erwerhszweigden Krieg; und Erwerbstätigkeit ist er ja auch nochdas ganze Mittelalter durch geblieben.