Über Begriff und Wandlungen der Wirtschaftseinheit 271
fühlten, sondern auch in ihren inneren Beziehungeneinander nahestanden J ).
Der mittelalterliche Kaufmann konnte in einerZeit, da der Fremde als Feind galt, da die Handels-straßen sich in schlechtestem Zustande befanden undLehen und Gut auf ihnen gefährdet war, die demHandel entgegenstehenden Hindernisse vereinzelt nichtüberwinden; uud da es an einer Staatsgewalt fehlte,welehe Ordnung geschaffen hätte, nahmen die Kauf-leute den Schutz ihrer Interessen gemeinsam in ihreHand. Genossenschaftlich organisiert, suchten sie sichgegen Bedrückung seitens der eigenen wie der fremdenGrundherren zu schützen. Yon beiden suchten siePrivilegien zu erlangen. So vor allem das Recht,überhaupt zu reisen, sodann Sicherheit von Leib,Leben und Gut, eigene Gerichtsbarkeit in Streitig-keiten untereinander, Schutz gegen willkürliche Kon-fiskationen, Freiheit von lästigen und willkürlichenZöllen. Statt deren wurden Pauschalabgaben geleistet,und zwar von den Genossenschaften, in welchen dieHandeltreibenden organisiert waren, zunächst von denGilden, später, nachdem die Gilden den maßgebendenEinfluß in den Städten erlangt haben, von den Städten.Über den Wirtschaftseinheiten der einzelnen Kauf-leute erhob sich als höhere Wirtschaftseinheit dieKommune, die Stadt bzw. die Gilde. Die Stadt bzw.die Gilde war der Inhaber der Befugnis zum Handels-
b So ist es noch heute innerhalb der indischen Dorfgemein-schaft. In Indien sind noch heute die Preise für die Güter, dieinnerhalb des Dorfes selbst hergestellt werden und an Dorf-genossen abgesetzt werden, dieselben, wie sie seit Jahrhundertengewesen sind, so z. B. für Schuhe; dagegen ist das Getreide, dasvon fremden Getreidehändlern herbeigeführt wird, den größtenPreisschwankungen unterworfen. An jenen Preisen zu ändern,gilt als schimpflich; bei diesen gilt das Schwanken als selbst-verständlich. Vgl. H. S. Maine , Village Communities, S. 192ff.