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und die aus dem Reichtum, den ihr Handel brachte,die Städte aufbauten, deren herrliche Bauten wir nochheute bewundern. Auch ist nicht richtig, wenn Som-bart behauptet 1 ) daß zwischen den Handwerkszünftenund den Kaufmannsgilden gar keine strenge Scheidungbestanden habe. Mußte man doch das Handwerk ab-schwören, um in die Kaufmannsgilde aufgenommen zuwerden. Auch war dies begreiflich; es war eben dieFolge davon, daß der Handel von einem anderenPrinzip als dem Streben nur nach „Nahrung“ be-herrscht wurde. War doch der Handwerker im In-teresse der „Nahrung“ auf ein Gewerbe beschränkt,während eine solche Beschränkung für den Kaufmannnicht bestand; er konnte sein Streben nach Gewinnbetätigen, wo immer ihm solcher winkte; wo man,wie 1363, in England versuchte, jene Beschränkungauch auf den Kaufmann auszudehnen, wurde der Ver-such alsbald wieder aufgegeben 2 ).
Aber Sombart hat die Bedeutung des Handelsfür das Wiedererwachen kapitalistischer Wirtschaftim Abendland nicht nur wegen angeblichen Fehlenskapitalistischen Geistes bei den damaligen Händlernbestritten; es ist auch eine seiner Haupttheorien, daßdie Ableitung des Kapitalismus aus dem Handel un-haltbar sei, weil der Handel vor 1204 zu unerheblichgewesen sei, als daß man selbst bei 100 °/ 0 Gewinn
plicibus at queinnumeris usurarum generibus .... pauperesChristi affligant .... So die Konzile von Konstanz 814, Paris 829, Worms 829. Nicht anders war es bei den Griechen. Soberichtet Schiitberger in seinem Reisebuch (er kam 1427 aus demOrient zurück), Inselverlag S. 52: „Sie sprechen: Wer von 100Pfennigen 10 in einem Monat zu Gewinn nähme, das sei nichtWucher, es sei göttlicher Gewinn.“
*) Der moderne Kapitalismus I, 186.s ) Siehe oben S. 312, Anm. I.