Handel und Kapitalismus
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den zum kapitalistischen Betrieb nötigen Reichtumhabe ansammeln können. Er habe also nicht diedazu nötige objektive Voraussetzung geliefert. DerHandel vor 1204 sei nur Hausierhandel gewesen, dertrotz enormen Gewinnstes heim einzelnen Umsatzwegen der Geringfügigkeit des umgesetzten Kapitalsnur unerhebliche Erträgnisse abwirft. Als Beleg hater sich an drei Stellen seines 1902 erschienenen Buchesauf ein Werk des Leonardo Fi-Bonacci, genannt Leo-nardo Pisano , berufen, das unter dem Titel „II überAbbaci di Leonardo Pisano“ im Jahre 1857 in Rom von Baldassare Boncompagni veröffentlicht worden ist.Da finde sich eine Stelle, die wie mit einem Blitzlichtdie mittelalterlichen Verhältnisse erhelle. Sie lautet:Ein Mann geht in Geschäften nach Lucca , verdoppeltsein Kapital und gibt 12 d aus; von da reist er nachFlorenz , verdoppelt sein Kapital und gibt 12 d aus;nach seiner Rückkehr nach Pisa verdoppelt er seinKapital und gibt 12 d aus, und es bleibt ihm nichts.90 Prozent aller Händler hätten froh sein können,wenn sie damals so viel verdient hätten, daß sie ihreFamilie hätten ernähren können; was habe dabei fürden Einzelnen übrig bleiben können! Da sei im Jahre1204 die Eroberung und Plünderung Konstantinopelserfolgt. Damit sei die für den Großbetrieb der Handelsnötige Grundlage, ein größeres Kapital, geschaffenworden. Das Buch des Leonardo Pisano habe dannauch die theoretische Grundlage für die wichtigsteEigenschaft des Kapitals, für seine „Rechenhaftigkeit“geschaffen. Daher hat Somhart in seinem Werke von1902 das Jahr 1204 als den „Wendepunkt in der Welt-geschichte“, „das Geburtsjahr des Kapitalismus “ be-zeichnet 1 ).