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Lu jo Brentano
und die Venezianer *) haben schon vor den KreuzzügenHandelsniederlassungen im Gebiete der späteren Kreuz-fahrerstaaten gehabt. Wären sie Zwingburgen ge-wesen , um die Eingeborenen dem doux commercegeneigter zu machen, so hätten die tatkräftigen moham-medanischen Beherrscher jener Gegenden sie sichernicht geduldet. Da sie trotzdem bestanden und Amal-fitaner und Venezianer großen Wert auf sie legten,muß deren Handel, auch ohne auf Übertölpelung undZwang zu beruhen, für sie wohl gewinnbringend ge-wesen sein. Dasselbe beweisen die zahlreichen Handels-beziehungen, Handelsniederlassungen, Handelsverträgemit Magreb * 2 ). Und darauf geht auch schon das be-sprochene Streben Venedigs, Pisas und Genuas , einer-seits sich an der Eroberung Syriens und Palästinas miteigener Wehrkraft zu beteiligen, andererseits sich fürdiese Beteiligung die Überlassung von Stadtvierteln aus-zubedingen, zurück. Man vergleiche 3 ) doch die Zusicher-ungen, welche Gottfried von Bouillon 1100 den Venezianernund König Balduin 1101 den Genuesen für Kriegs-hilfe, der Stellvertreter Balduins den Venezianern fürKriegshilfe bei der Belagerung von Tyrus und für einGelddarlehen von 100 000 Goldbyzantiner gegeben hat.Die Venezianer erhielten über die Bürger des ihneneingeräumten Stadtviertels von Tyrus dieselbe Autorität,wie sie dem König über seine Untertanen zustand 4 ).
0 Assises des Jerusalem t. II, Paris 1843. Introduction parM. le Comte de Beugnot p. XXI. Eben mit Rücksicht aufdiese ihre Handelsniederlassungen sind die Venezianer den Kreuz-zügen zuerst sehr ablehnend gegenübergestanden.
2 ) Vgl. L. de Mas Latrie, Traites de paix et de com-merce et documents divers concernant les relations des Chretiensavec les Arabes de l’Afrique septentrionale au moyen äge. Paris 1866.
3 ) Siehe H e y d , Geschichte des Levantehandels, I 145 ff.
4 ) Der Vertrag steht im Chron. Andr. Danduli p. 275.