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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Handel und Kapitalismus

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Die Pisaner und Amalfitaner haben nicht minder wert-volle Privilegien in Antiochien erlangt. Noch weitergingen die den Marseillern im Jahre 1190 für ihrehei der Belagerung von Accon geleisteten Dienste ein-geräumten Privilegien 1 ). Diese Beleihungen warennicht einemodifizierte Belehnung, wie Sombart sagt,sondern gaben durch Staatsvertrag zwischen gleich-berechtigten souveränen Staaten den italienischenRepubliken die volle Souveränität über ihre Stadtteile.Wie die Handelsniederlassungen der Italiener vor denKreuzzügen als Stützpunkte ihres Handels gedienthatten, so erst recht diese Quartiere, in denen ihrenHeimatstädten die Souveränität zustand. In den Zeitendes Friedens und der Waffenstillstände fand hierHandel und Verkehr zwischen Christen und Mohamme-danern statt.

Was war nun der Grund, warum die italienischenStädte so sehr darauf aus waren, für ihre Kaufleutesolche mit dem Recht der Exterritorialität ausgestatteteHandelsniederlassungen zu erwerben? Warum warensie nicht zufrieden, unter der Herrschaft der Feudal-herren in den Kreuzfahrerstaaten Handel zu treiben?

Sombart 2 ) vermag einen solchen Grund nicht zuerkennen, wenn nicht ein großer Teil der gewerbe-

*) Assises de Jerusalem t. IL Introduction par M. le Comtede Beugnot p. XXII. Dagegen geht aus der Stelle in David-sohns Geschichte von Florenz I 282, Berlin 1896, auf welcheSombart verweist, nicht hervor, daß auch Florenz nicht un-bedeutenden Kolonialbesitz in Syrien gehabt habe; das eine Casale,das in der Hand eines Florentiners nachweisbar ist, kann dochwohl nicht als solcher bezeichnet werden, und ebensowenig wirdes dadurch bewiesen, daß Florentiner seit den letzten Jahrzehntendes 12. Jahrhunderts bedeutende Stellungen in Palästina ein-genommen haben.

2 ) Der moderne Kapitalismus, I 340.