Handel und Kapitalismus
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habe. Das Verlangen nach Gütern über das Maß despersönlichen Bedarfs ist nicht etwas Unpersönliches,das aus dem Wesen des Kapitals fließt. Es ist etwashöchst Persönliches, denn es wurzelt tief in der mensch-lichen Natur und zwar in dem bei Menschen allerRassen und aller Völker sich findenden Streben, sichüber Andere hervorzutun und sie zu beherrschen. Estritt nicht erst in der kapitalistischen Wirtschafts-periode hervor; es ist dieser mit allen vorausgegangenenPerioden gemein. Die Änderung, welche der bestehendeKapitalismus hervorgerufen hat, besteht lediglich darin,daß er diesem Streben eine andere Richtung gegebenhat. In dem Maße, in dem der Handel die anderenWirtschaftszweige durchsäuert, ist das Produktions-mittel , mit dem der Kaufmann, der sich zuerst alsneuer Herrenmensch neben den alten, den Grundherrn,gestellt hat, hantiert, das Geld, auch für die übrigenWirtschaftszweige wichtiger und wichtiger geworden,und damit trat an die Stelle des unbegrenzten Strebensnach Landbesitz das nach Geldgewinn; und in demMaße, in dem der Handel die alten Wirtschaftseinheitenaufgelöst hat, sind auch alle anderen Angehörigen der-selben von dem Streben nach dem größtmöglichen Ge-winne erfaßt worden.
Also nicht geschaffen worden ist das Streben nachunbegrenztem Erwerb mit dem Enstehen der kapita-listischen Wirtschaftsordnung. Die einzige Änderung,die durch das Aufkommen der kapitalistischen Wirt-schaftsordnung bewirkt worden ist, besteht darin, daßin dem Maße, in dem die kapitalistische an die Stelleder feudalen Wirtschaftsordnung getreten ist, andie Stelle des unbegrenzten Strebens nach Landdas nach Geld und Geldeswert getreten ist. Dennwährend es früher der Landbesitz war, ist es seit-