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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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die Stellung der Kirche gegenüber dem Handel geändert.Bei Thomas von Aquin ein entschiedenes Suchen nacheinem Kompromiß mit dem Leben. An sich, lehrt er,haftet dem Handel zwar ein gewisser Makel an, insofernsein Ziel der Gewinn ist; aber der Gewinn läßt sichmit einem notwendigen oder ehrenvollen Ziele ver-binden, so, wenn einer einen mäßigen Gewinn, den erdurch Handel erwirbt, zum Unterhalt seines Hausesoder zur Unterstützung der Dürftigen bestimmt, oderauch wenn jemand Handel treibt wegen seines öffent-lichen Nutzens, damit die notwendigen Güter nichtseinem Vaterlande fehlen, und er den Gewinn anstrebt,nicht um seiner selbst willen, sondern als Lohn seinerArbeit. Mit der Anerkennung der Erhaltung desHauses aus dem Handelsgewinn als eines der ehren-vollen oder notwendigen Ziele des Handels war derAusweg zur Erkenntnis dessen, wozu die wirtschaft-liche Entwicklung geführt hatte, gegeben. Allerdingshat Thomas nur einen mäßigen Gewinn, der nicht umseiner selbst willen, sondern als Lohn der auf denHandelsbetrieb verwendeten Arbeit erstrebt wird, ge-billigt; aber die Fortentwicklung, welche die Lehrevom gerechten Preis, fand, hat das Tor eröffnet, durchwelches tatsächlich die Berechtigung jedweden Gewinnsihren Einzug halten konnte. Als gerechter Preis giltThomas und der Scholastik der den Beschaffungskostenentsprechende Preis und die Beschaffungskosten werdenwesentlich durch das bedingt, was zum Lebensunterhaltdes Arbeitenden nötig ist. Im Mittelalter aber wardie Gesellschaft ständisch gegliedert, und das Rechtdes Standes, dem Einer angehörte, bestimmte die einemJeden zustehende Lebenshaltung, diese daß Maß dessen,was zum Unterhalt seines Hauses nötig war, und diesesdie Größe des ihm erlaubten Gewinns. Es kam alsonur auf den den Großhändlern zuerkannten Rang an