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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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anderer Weise, wie ich es getan hatte, mit der Aus-breitung des Strebens nach dem größten Gewinn inBeziehung gesetzt hat. Ich hin ganz ebenso wiedie gesamte christliche Lehre, die wie sie die Unter-werfung der Natur unter das ihr entgegenstehendeSittengesetz fordert, so auch die Erwerbsgier be-kämpft 1 ), nicht davon ausgegangen, daß das Streben

Geist des Kapitalismus, im Archiv f. Sozialwiss. etc. XXX. Band,1910 und ErnstTroeltscli, Die Kulturbedeutung des Calvinis-mus, in der genannten Internationalen Wochenschrift, 1910,Nr. 15 und 16. Dagegen abermals Rachfahl, NochmalsCalvinismus und Kapitalismus, in Nr. 2225 der InternationalenWochenschrift, 1910. Trotz der in vielem sehr erheblichen KritikRachfahls ist die Zustimmung zur Weberschen These überwiegendgeblieben.

*) Seit der Apostel Paulus die Erwerbsgier als die Wurzelalles Übels bezeichnet, hat die Kirche gegen die unersättlicheHabsucht geeifert, nicht aber als gegen etwas Naturwidriges,sondern als gegen einen Ausfluß der seit dem Sündenfall sünd-haften Natur. So z. B. wenn Basilius in seiner Homilie gegen dieReichen schreibt (Migne, Patr. graeca XXXI, 293:Allein dunennst dich arm. Ich gebe es zu; denn arm ist der, welchervieles bedarf. Daß ihr aber vieles bedürfet, daran ist eure un-ersättliche Habsucht schuld. Zu den zehn Talenten willst duzehn andere fügen; sind es zwanzig, so suchst du ebenso vieleandere, und der stete Zuwachs stillt dein Verlangen nicht, sondernentflammt deine Begierde. Gleichwie die Zugabe des Weins denTrunkenen Anlaß zum Trinken gibt, so verlangen auch die, welcheerst reich geworden, obgleich sie vieles besitzen, nach mehrerem,durch beständiges Hinzufügen der Krankheit Nahrung gebend,und ihr Streben schlägt in das Gegenteil um; denn das Gegen-wärtige, obgleich es groß ist, freut sie nicht so sehr, als sie dasMangelnde Bchmerzt, das nämlich, wovon sie meinen, daß es ihnenfehlt, so daß sie stets von Sorgen gequält werden, weil sie nachÜbermäßigem ringen . . . Die Hölle sagte nicht:Es ist genug(Sprüche 30, 16), noch sagte jemals der Habsüchtige:Es istgenug. Wann wirst du das Gegenwärtige gebrauchen? Wannwirst du es genießen, da du stets durch die Mühen des Erwerbsgehindert wirst? . . . Das Meer kennt seine Schranken, die Nachtüberschreitet nicht die alte Grenzbestimmung. Der Habsüchtige