Puritanismus und Kapitalismus
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erwerb um des Geldes willen, nach Geld als summumbonum, als etwas gegenüber dem „Glück“ oder dem„Nutzen“ des Individuums schlechthin Irrationales,Unnatürliches. Nur durch eine besondere Disziplinie-rung des triebhaften Menschen sei es hervorgerufenworden. Diese Disziplinierung ■— also eigentlich eineRationalisierung des Lebens zu einer irrationalenLebensführung — habe die Rationalisierung des Lebensdurch die Calvinistische Berufsethik bewirkt, und wennsich Weber auch ausdrücklich dagegen verwahrt, denKapitalismus schlechthin aus dem Calvinismus ableitenzu wollen, wenn er auch zugibt, daß der kapitalistischeGeschäftsbetrieb erheblich älter ist, und er nur fest-stellen wollte, ob und inwieweit religiöse Einflüssebei der qualitativen Prägung und quantitativen Ex-pansion des kapitalistischen Geistes über die Welt mit-beteiligt gewesen sind, haben doch seine gelehrten undscharfsinnigen Nachweise, daß nach der Lehre derPuritaner der Erfolg der Erwerbstätigkeit zeige, obsich der Mensch im Zustand der Gnade befinde, da derErfolg nur dem zuteil werde, der seiner Berufspflichtin majorem Dei gloriam lebe, die Vorstellung hervor-gerufen, als ob nach seiner Meinung die Anfänge desKapitalismus vom Puritanismus datierten. Noch mehrfreilich haben die Schriften derjenigen, die sich zuseiner Lehre bekennen, diese Meinung erzeugt.
Ich glaube, den Gedankengang von Max Weber ,wenn auch in meinen Worten, im folgenden richtigwiederzugeben.
Die christliche Lehre ging aus von einem Gegen-satz zwischen der sündigen Welt und Gott. Siepredigte den Menschen die Entsagung vom Irdischen,damit sie zum ewigen Leben gelangten. Sie tat diesin Geboten, welche an alle sich wandten, und in Rat-schlägen, welche an diejenigen sich wandten, welche