Puritanismus und Kapitalismus
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Anders bei Calvin. Er legt den Nachdruck auf die Er-wählung durch den Willen des allmächtigen Gottes,der zu seiner Ehre den einen zur Seligkeit beruft,den anderen verwirft. Das Moment der Ehre Gottesist es, worauf nach Calvin alles ankommt. Die ganzeWelt ist bestimmt zu seiner Yerherrlichung. Sie istauch die Aufgabe des Christen. Er erfüllt sie durchTätigkeit in Welt und Gesellschaft.
Die nach dieser Lehre so folgenschwere Frage,woran der Einzelne erkennen könne, ob er zu den Er-wählten gehöre, hat Calvin nicht beantwortet. Nachihm gibt nichts diese Gewißheit. Dabei haben Calvins Epigonen sich aber nicht beruhigt. Sie verlangtennach einem sicheren Kennzeichen, daß sie zu den Er-wählten gehörten. Zu dieser Sicherheit gehörte vorallem, daß man nicht selbst an dieser Zugehörigkeitzweifelte; denn mangelnde Selbstgewißheit sei die Folgeunzulänglichen Glaubens, also unzulänglicher Gnade.Um diese Selbstgewißheit zu erlangen, bedarf es nachihrer Lehre rastloser Berufsarbeit, denn sie verscheuchtdie religiösen Zweifel und gibt Sicherheit des Gnaden-stands. Sodann muß sich die Wirkung des Glaubensin einer Lebensführung äußern, die zur Mehrung vonGottes Ruhm dient. So ungeeignet gute Werke sindals Mittel zur Erlangung der Seligkeit, so unentbehr-lich sind sie als Zeichen der Erwählung.
Die Folge dieser Auffassung war der der reformiertenFrömmigkeit eigentümliche asketische Zug. Die re-formierte Askese hat eines mit der katholischen gemein:die Rationalisierung des Lebens. Bei beiden wird jedeeinzelne Handlung auf das jenseitige Leben bezogen;bei beiden muß der Gläubige sich fortwährend Rechen-schaft geben, ob das, was er tut, nicht seine Seligkeitim Jenseits gefährdet. Beide arbeiten darau, denMenschen instand zu setzen, den status naturae zu