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überwinden, ihn der Macht der irrationalen Triebeund der Abhängigkeit von Welt und Natur zu ent-ziehen, der Suprematie des planvollen Wollens zuunterwerfen, seine Handlungen uuter beständige Selbst-kontrolle zu stellen. Aber abgesehen davon, daß nachkatholischer Lehre die Heiligkeit des Lebens ein Real-grund, nach reformierter Lehre ein Erkenntnisgrunddes Gnadenstands ist, besteht der gewichtige Unter-schied zwischen beiden : die katholische Askese betätigtsich durch Weltflucht, die reformierte durch Tätigkeitin der Welt. Ferner wird die calvinistische Askesenicht bloß denen zugemutet, die vollkommen werden,sondern allen, die ihrer Seligkeit gewiß sein wollen.Sie gipfelt in der Berufsidee. Das Alltagsleben wirddurch sie rationalisiert.
Der Calvinismus ist, wie Max Weber hervorhebt,die bedeutendste, aber nicht die einzige Richtung des
*) Hier bei Weber ein Widerspruch. An einer Stelle(Archiv f. Sozialwiss. usw. XX, 16) schreibt er von der „Ethik“,die er Benjamin Franklin und dem Puritanismus zuschreibt: ihr»sunmum bonum« sei „der Erwerb von Geld und immer mehrGeld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens,so gänzlich aller eudämonistischen oder gar hedonistischen Gesichts-punkte entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, daß es alsetwas gegenüber dem „Glück“ oder dem „Nutzen“ des einzelnenIndividuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthinIrrationales erscheint“. Dagegen setzt nach seinen Aus-führungen, welche Ähnlichkeit und Unterschiede von katholischerund reformierter Askese darlegen (Archiv, XXI, 28 ff.) die Er-ziehung des Menschen zum Streben nach Geld und immer mehrGeld die Überwindung seiner »status naturae« und der „i r -rationalen“ Triebe voraus! Umgekehrt wie Weber dieMeinung des Abbe Galiani , Deila moneta Buch 1, Kap. 2: »Gianopersuabi i leggitori che con tanta esatteza corrispondono le leggidel commercio a quelle della gravitä e de’fluidi che niente piü.Quel che la gravitä e nella fisica e il desiderio di guadagenareo sia di viver felice nell’ uomo«. Das Streben des Menschen nachGewinn steht ihm gleich dem nach Glück.