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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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Protestantismus, die eine solche methodisch-gepflegteund kontrollierte, d. h. asketische Lebensführung vor-schreibt; sie findet sich auch im Pietismus , Methodis-mus und Baptismus. Die unbedingte Herrschaft überdas eigene Selbst ist das höchste Ziel des Puritanis-mus. In dem Erfolg der Arbeit sieht dieser denBeweis, daß der Einzelne auserwählt sei, und in rast-loser und erfolgreicher Berufsarbeit trachtet er dieSelbstgewißheit des Erwähltseins stets neu zu er-werben.

Weber bezeichnet Richard BaxtersChristianDirectory als das umfassendste Kompendium der puri-tanischen Moraltheologie. Darin findet sich, wie Weberselbst betont, allerdings die schärfste Warnung gegenjedes Streben nach Erwerb zeitlicher Güter. Aber,meint Weber, bei näherem Zusehen bemerke man denentscheidenden ethischen Sinn und Zusammenhang, indem diese Warnung gemeint sei. Das sittlich wirklichVerwerfliche sei für Baxter nämlich das Aus ruhenauf dem Besitz, der Genuß des Reichtums mit seinerKonsequenz von Mäßigkeit und Fleischeslust, vor allemvon Ablenkung von dem Streben nach dem heiligenLeben. Und n u r weil der Besitz die Gefahr diesesAusruhens mit sich bringe, erachte Baxter ihn fürbedenklich. Denn dieewige Ruhe der Heiligen liegeim Jenseits; auf Erden aber müsse auch der Mensch,um seines Gnadenstandes sicher zu werden,wirkendie Werke dessen, der ihn gesandt hat, solange esTag ist. Nicht Muße und Genuß, sondern nurHandeln diene nach dem unzweideutig geoffenbartenWillen Gottes zur Mehrung seines Ruhms. Zeit-vergeudung durch Faulheit, Geselligkeit, Luxus,übermäßigen Schlaf und untätige Kontemplation aufKosten der Berufsarbeit sei die erste und schwersteSünde. Auch der Reiche dürfe nicht essen, ohne zu