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arbeiten. Aber „nicht Arbeit an sich“ schreibt Weber 1 ),sondern rationale Berufsarbeit ist das von Gott Ver-langte . Auf diesem methodischen Charakter der Berufs-askese liegt bei der puritanischen Berufsidee stets derNachdruck, nicht, wie bei Luther, auf dem Sich-bescheiden mit dem einmal von Gott zugemessenen Los.Daher wird nicht nur die Frage, ob jemand mehrere»callings« kombinieren dürfe, unbedingt bejaht, wennes für das allgemeine Wohl oder das eigene zuträglichund niemandem sonst abträglich ist, und wenn es auchnicht dazu führt, daß man in einem der kombiniertenBerufe ungewissenhaft wird; sondern es wird auch derWechsel des Berufs als keineswegs an sich verwerflichangesehen, wenn er nicht leichtfertig, sondern um einenGott wohlgefälligeren und das heißt, dem allgemeinenPrinzip entsprechend: nützlicheren Beruf zu ergreifenerfolgt. Und vor allem: die Nützlichkeit eines Berufsund seine entsprechende Gottwohlgefälligkeit richtetsich zwar in erster Linie nach sittlichen und demnächstnach Maßstäben der Wichtigkeit der darin zu pro-duzierenden Güter für die „Gesamtheit“; aber alsdannfolgt als dritter und natürlich praktisch wichtigsterGesichtspunkt: die privatwirtschaftliche „Profitlich-keit“. Denn wenn jener Gott, der die Puritaner inallen Fügungen des Lebens wirksam sieht, einem derSeinigen eine Gewinnchance zeigt, so hat er seine Ab-sichten dabei. Und mithin hat der gläubige Christdiesem Rufe zu folgen, indem er sie sich zunutze macht.„Wenn Gott euch einen Weg zeigt, auf dem ihr ohneSchaden für eure Seele oder für andere in gesetz-mäßiger Weise mehr gewinnen könnt, als aufeinem anderen Wege, und ihr dies zurückweist undden minder gewinnbringenden Weg verfolgt, dann
*) Archiv für Sozialwissenschaft usw. XXI, S. 84—87.