Puritanismus und Kapitalismus
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kreuzt ihr einen der Zwecke eurer Berufung; ihrweigert euch, Gottes Verwalter zu sein und seineGaben anzunehmen, um sie für ihn gebrauchen zukönnen, wenn er es verlangen sollte. Nicht freilichfür Zwecke der Fleischeslust und Sünde, wohl aber fürGott dürft ihr arbeiten, um reich zu sein.“ Der Reich-tum ist eben nur als Versuchung zu faulem Ausruhenund sündlichem Lebensgenuß bedenklich und das Strebendanach nur dann, wenn es geschieht, um später sorg-los und lustig leben zu können. Als Ausübung derBerufspflicht aber ist es sittlich nicht nur gestattet,sondern geradezu geboten. Das Gleichnis vom Schalks-knecht, der verworfen wurde, weil er mit dem vonGott ihm anvertrauten Pfunde nicht gewuchert hatte,schien das ja auch direkt auszusprechen. Arm seinwollen hieße, wie häufig argumentiert wurde, das-selbe, wie krank sein wollen; es wäre als Werkheilig-keit verwerflich und Gottes Ruhm abträglich. Undvollends das Betteln eines zur Arbeit Befähigten istnicht nur als Trägheit sündlich, sondern auch nachdes Apostels Wort gegen die Nächstenliebe.
Mit der Bekämpfung des Genusses und der Auf-fassung von Reichtumserwerb durch Berufsarbeit alsSegen Gottes, noch mehr aber mit der religiösenWertung der rastlosen Berufsarbeit als höchsten asketi-schen Mittels und zugleich sicherster und sichtbarsterBewährung des wiedergeborenen Menschen und seinerGlaubensechtheit war der denkbar mächtigste Hebelder Expansion jener Lebensauffassung gegeben, die als„Geist des Kapitalismus“ bezeichnet wird. Das Ergebnisder Calvinistischen Weltanschauung mußte sein: Ent-fesselung des Erwerbstriebs und Einschnürung derKonsumtion: Kapitalbildung und immer weitere pro-duktive Anlage des angesammelten Kapitals. Das17. Jahrhundert vermachte ihren utilitaristischen Erben