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ein pharisäisch, gutes Gewissen beim Gelderwerb, wenner sich nur in legalen Formen vollzog. Jeder Restdes Deo placere non potest ist verschwunden. Einespezifisch bürgerliche Berufsethik ist entstanden. Mitdem Bewußtsein, in Gottes voller Gnade zu stehen undvon ihm sichtbar gesegnet zu sein, vermag der bürger-liche Unternehmer, wenn er sich innerhalb der Schrankenformaler Korrektheit hält, sein sittlicher Wandel un-tadelig und der Gebrauch, den er von seinem Reich-tum macht, kein anstößiger ist, seinen Erwerbsinter-essen zu folgen und soll dies tun. Die Macht derAskese stellte ihm überdies nüchterne, gewissenhafte,ungemein arbeitsfähige und an der Arbeit als gott-gewolltem Lebenszweck klebende Arbeiter zur Ver-fügung. Sie gab ihm die Versicherung, daß die un-gleiche Verteilung der Güter dieser Welt ganz speziellesWerk von Gottes Vorsehung sei, der mit diesen Unter-schieden ebenso wie mit der nur partikulären Gnadeseine geheimen, uns unbekannten Ziele verfolge.
Dieser ethisch gefärbte Erwerbstrieb ist es, wasWeber den „Geist des Kapitalismus“ nennt. WennJakob Fugger einem Geschäftskollegen, der ihn auf-fordert, sich gleich ihm zur Ruhe zu setzen, da ernun „lange genug gewonnen“ habe, dies als Kleinmutverweist und antwortet: „er habe viel einen anderenSinn, wollte gewinnen, dieweil er könnte“, so ist diesdaher für Weber nicht eine Äußerung des „Geistesdes Kapitalismus“, denn sie trägt nicht den Charaktereiner ethisch gefärbten Maxime, sondern ist Ausflußkaufmännischen Wagemuts und einer persönlichen sitt-lich indifferenten Neigung. Ebenso verhält es sichmit der auri sacra fames. Sie ist, wie Weber zugibt,so alt wie die Menschengeschichte. Aber sie entbehrtder religiösen Färbung und ist daher nicht Massen-erscheinung. Sie wird diese erst dann, wenn sie jene