Puritanismus und Kapitalismus
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erhält; denn die religiösen Mächte sind die entscheiden-den Bildner des Yolkscharakters. Die religiöse Färbungerhält sie erst durch den Puritanismus.
Weber lehnt es wiederholt ab, daß die Ansichtender Puritaner eine Wiederspiegelung der wirtschaft-lichen Verhältnisse gewesen seien, in deren Mitte sielebten. Gehörten die Puritaner doch alle zum kleinenMittelstand, waren Handwerker, kleine Fabrikantenund Bauern. Gerade darin, daß die ethische Ver-klärung des Erwerbstriebs in diesen Kreisen statt-gefunden, dagegen bei den reichen Kapitalisten gefehlthabe, sieht er eine Bestätigung seiner Auffassung.Einen klassischen Beleg findet er in dem Leben undden Schriften Benjamin Franklins . In seinem Geburts-lande, der von Predigern, Kleinbürgern, Handwerkernund Bauern begründeten Kolonie Massacliussetts, seider kapitalistische Geist vor der kapitalistischen Ent-wicklung gewesen, während er in den von großenKapitalisten zu Geschäftszwecken begründeten Nachbar-kolonien viel unentwickelter gewesen sei. Aber Franklinhat in seiner Selbstbiographie geschrieben : „ Aus meinesVaters Munde hatte ich als Knabe oft den Spruch desSalomo gehört: „Ein Mann, der fleißig ist in seinemBerufe, soll vor Königen stehen, nicht vor geringenLeuten.“ „Daher hielt ich den Fleiß für das besteMittel, zur Wohlhabenheit und Auszeichnung zu ge-langen.“ Und in seinen „notwendigen Winken für die-jenigen, die reich werden wollen“ und den in seinemschriftlichen Nachlaß aufgefundenen Ratschlägen „fürjunge Geschäftsleute“ gipfelt sein „Rat“ in den beidenWorten: Betriebsamkeit und Sparsamkeit; das heißt:„verschwende weder Zeit noch Geld, sondern nutze beides,so gut du kannst!“ Das ist eben das, was hier alsInhalt der puritanischen Berufsaskese ermittelt wordenist. Als Franklin jene Winke und Ratschläge schrieb,