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war deren Calvinistische Fundamentierung bei ihmallerdings schon abgestorben; er hatte sich, wie erschreibt, schon früh von den Presbyterianern zurück-gezogen und sich eigene deistische Glaubensartikel ent-worfen x ). Aber die protestantische Berufsethik hatden Umschlag zur utilitarisch-liberalen Theorie, welcherFranklin huldigt, eingeleitet. Und ist auch heute derGeist des Kapitalismus ein anderer geworden, arbeitetder Kapitalist nicht mehr zur Ehre Gottes, sondernum des Erwerbs willen, so waren doch mit demCalvinismus Geist und Voraussetzungen des Kapitalis-mus geschaffen.
Dies der Inhalt der Weberschen Ausführungen. —Ihr erster Fehler liegt in Webers Formulierung desBegriffs „Geist des Kapitalismus “. Sonst pflegt mandarunter das Streben nach dem größtmöglichen Gewinnschlechthin zu verstehen. Weber aber schließt davonnicht nur das Streben nach Gelderwerb um des Ge-nusses willen, zu dem der Reichtum die Mittel bietet,und des Ansehens und der Macht wegen, wozu derReichtum verhilft, sondern sogar das Streben nachGelderwerb um des Geldes willen aus, wenn es nicht„den Charakter einer ethisch gefärbten Maxime derLebensführung annimmt“. Das heißt einen Begriff sofassen, daß mit seiner Fassung das, was man beweisenwill, notwendig gegeben ist; man nennt das eine petitioprincipii. Selbst angenommen, man könnte den Calvinis-mus bezichtigen, einen solchen ethisch verklärten Geizgepredigt zu haben, was er nicht getan hat, so hates bei solcher Begriffsformulierung einen kapitalistischen
*) Dieser Hinweis auf die von Franklin in seinem 22. Lebens-jahre niedergeschriebene „Liturgie zu seinem eigenen Privat-gebrauch“ findet sich, wie ich, um Einwendungen vorzubeugen,bemerke, bei Weber nicht. Er ergänzt aber seinen Gedanken-gang, daher ich ihn eingefügt habe.