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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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und mittelst desselben gute Werke verrichtete, weilgroßer Gewinn und gute Werke sichtbare Zeichenseines Glaubens und seines Gnadenstands waren. Dennes ist nicht richtig, die Tatsache, daß Italien im

17. Jahrhundert wirtschaftlich zurückging, währenddie reformierten Länder im Norden auf blühten, oderdaß die Calvinistische Diaspora diePflanzschule derKapital Wirtschaft war, mit dem Glaubensbekenntnisin Zusammenhang zu bringen. Italien ist aus ganzanderen Gründen relativ zurückgegangen als aus dem,daß man in Holland, Schottland und England sich zurLehre Calvins bekannte. Wie wenig der kapitalistischeGeist der Italiener hinter dem in den reformiertenLändern herrschenden zurückstand, zeigt, daß dieLoredani, als Venedig zurückging, ihre Gelder, gleichmodernen Engländern, die ihr Vermögen in dem zu-kunftsreichen Amerika anlegen, in Holland anlegten,und es ist eine allgemeine Erscheinung, daß Angehörigeeines Glaubensbekenntnisses, welches immer dies seinmag, in der Diaspora ihre Fähigkeiten außerordentlichbetätigen und zu großem Wohlstand gelangen. Dasgilt wie für Hugenotten so auch für Katholiken in derDiaspora. Wenn Max Weber als Beleg für die Richtig-keit seiner Aufstellungen Beobachtungen aus dem Kreiseihm nahestehender Unternehmer heranzieht, darf ichdies vielleicht auch tun. Meine Familie stammt ausder Tremezzina am Corner See. In demselben 17. und

18. Jahrhundert, in dem nach Max Weber der Calvinis-mus das Aufblühen der Länder im protestantischenNorden verursacht haben soll, hat sie ihre Söhne ebendahin entsendet; diese haben in Amsterdam 1 ), Breslau ,Mannheim, Augsburg, Frankfurt und a. a. 0. Geschäfts-häuser gegründet, in denen sie im Kolonialwarenhandel

*) In Amsterdam gibt es noch heute eine Brentano-Stiftung.

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