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Hat aber Augustinus die von ihm als ehrbar be-zeichnten Arbeiten des Schreiners, Schneiders, Bau-meisters , Taglöhners den Mönchen ausdrücklich alssolche empfohlen, in deren Verrichtung man Gott diene,so läßt sich nicht annehmen, daß er über diese zumLeben, wie es einmal ist, unentbehrlichen Tätigkeiten,wenn von Laien zur Bestreitung ihres Unterhalts ver-richtet, anders geurteilt habe. Weber legt, um seineBehauptung, daß die Auffassung vom weltlichen Berufeals einer Aufgabe, in deren Erfüllung man Gott diene,erst mit dem Protestantismus entstanden sei, dem Lesernahezubringen, allerdings besonderes Gewicht darauf,daß „die lateinisch-katholischen Völker für das, waswir ,Beruf' (im Sinne von Lebensstellung,umgrenztesArbeitsgebiet) nennen, einen Aus-druck ähnlicher Färbung ebensowenig kennten, wie dasklassische Altertum, während es bei allen pro-testantischen Völkern existiere“. Doch möchte ichzweierlei darauf antworten: 1. Es erscheint mir alseine unzulässige Übertreibung der Bedeutung des Wort-schatzes einer Sprache, wenn man aus dem Fehlen
„alles Gnaden sind, die der Geist Gottes ' wirket“. Er nimmt aufd. hl. Augustin Bezug, der geschrieben: „Gott ist ein einförmiges,ein göttlich einfältiges Wesen, und wirkt doch alle Mannigfaltig-keit, und ist alles in allen Dingen, Eins in Allem, und Alles inEinem“. Es ist nirgends so ein kleines Werklein, noch Künstlein,noch so schnöde, es kommt alles von Gott, und es ist sonderlicheGnade, und das soll ein jeder für den anderen vortun, der esnicht so wohl kann, und aus Liebe Gnade um Gnade gehen. DerSinn seiner Predigt ist, daß jede Arbeit, auch die niederste, Gottwohlgefällig sei und zur Seligkeit führe; es komme nur daraufan, daß sie um Gottes Willen und zu seiner Ehre geschehe.Auch der geringste Ackersmann soll nicht seine Tätigkeit auf-gehen und statt dessen in der Kirche sitzen: „er sollte sein Brotmit seinem Schweiß gewinnen und verdienen, seinem (Christi)edlen treuen Blut zu Ehren“.