Puritanismus und Kapitalismus
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eines eigenen Worts in derselben für einen bestimmtabgetönten Begriff den Schluß zieht, daß denen, diesich dieser Sprache bedienen, jene besondere Begriffs-vorstellung fehle. So kennen weder die französischenoch die englische Sprache ein das männliche wie dasweibliche Geschlecht umfassendes Wort, das gleich demdeutschen „Mensch“ lediglich zur Bezeichnung für denbeiden Geschlechtern gemeinsamen Begriff des mensch-lichen Wesens zur Anwendung käme; würde Weberdaraus den Schluß ziehen, daß Franzosen und Eng-ländern der Begriff Mensch unbekannt sei ?') 2. Esist unbegreiflich, wie Weber zu seiner Behauptunggekommen ist, die lateinisch-katholischen Völker hättenkein Wort für „Beruf“ im Sinne von Lebens-stellung. Ist doch das Wort „Beruf“ die Übersetzungdes lateinischen »vocatio«, und »vocatio« wird von derVulgata nicht bloß im Sinne von Berufung zum ewigenLeben * 2 ) sondern gerade von Lebensstellung gebraucht.So übersetzt sie die Stelle 1. Korinth. 7, 20—27:»Unusquisque in qua vocatione vocatus est, in eapermaneat. Servus vocatus es? non sit tibi curae;sed et si potes fieri über, magis utere . . . Unusquisquein quo vocatus est, fratres, in hoc permaneat apudDeum.“ Wie aber steht es mit dem Worte „Beruf“im Sinne von „umgrenztem Arbeitsgebiet“in den Sprachen der lateinisch-katholischen Völkern ?Hieronymus hat die Stelle Jesus Sirach XI, 20 u. f.,in deren Übersetzung Luther nach Weber als Erster
0 Dieselbe Frage ist an Sombart zu richten, der (siehe obenS. 205, Anmerkung) daraus, daß, rvie er sagt, das Wort „Geschäft“in unserer Bedeutung in der antiken Welt nicht vorgekommensei, den Schluß zieht, es habe damals auch den Begriff des „Ge-schäfts“ nicht gegeben.
2 ) Epli. 1, 18 und 4, 1; 2. Thess. 1, 11; 2. Petr. 1, 10;