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Lu jo Brentano
das Wort „Beruf“ „ganz in unserem Sinne“, d. tu wohlim Sinne von „umgrenztem Arbeitsgebiet“, gebrauchthat, in der Vulgata folgendermaßen wiedergegeben:»Sta in testamento tuo, et in illo colloquere et inopere mandatorum tuorum veterasce. Nemanseris in operibus peccatorum. Confide autem inDeo et mane in loco tuo«; aber auch die von derCalvinistischen Kirche in Genf herausgegebene Bibel-übersetzung gibt die Stelle mit folgenden Wortenwieder : ): »Demeure en ton rang et t’exerce en celui,et vieilli en faisant ton office. Ne t’emerveille pointdes oeuvres du meschant: fie toi au Seigneur, etcontinue en ton laben r«. Also auch die CalvinistischeWiedergabe der Stelle kennt da, wo Luther das Wort„Beruf“ im Sinne von umgrenztem Arbeitsgebiet ge-braucht, keine anderen Worte als das von Weber für„ethisch farblos“ erklärte office, von officium, demWorte, das im christlichen Altertum und im Mittel-alter unzählige Male im Sinne von Amt, umgrenztemArbeitsgebiet, gebraucht wird, und »labeur« gleichdem in der Vulgata gebrauchten Wort opus. Dabeihat Weber diese Übersetzung der Stelle bei Calvinselbst gekannt * 2 ), und wenn sich das Wort „Beruf“ imSinne von umgrenztem Arbeitsgebiet in der deutschenSprache auch erst bei Luther findet, so soll doch nachWeber nicht Luthers, sondern Calvins Auffassung vomBerufe für die Entstehung des kapitalistischen Geistesmaßgebend geworden sein!
Allein es ist gar nicht richtig, daß die Vulgata in der Übersetzung von Jesus Sirach XI, 20 f., wo die
*) La Bible etc. bei-ausgegeben par les pasteurs et professeursde l’Eglise de Geneve, 1588, Batt 43, auf der Rückseite desBlattes.
2 ) Archiv für Sozialwissenschaft usw., XX, S. 37.