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Fehde, namentlich von letzterer, und in rücksichtsloserErwerbsgier suchte der eine dem anderen soviel zunehmen und ihn zu schädigen, als er vermochte. Dahat die Kirche diese rücksichtslose Konkurrenz zubändigen gesucht, indem sie dem Waffenhandwerk einereligiöse Weihe gab; sie setzte dem Ritterstand dieErfüllung gewisser Berufspflichten als eine von Gott gestellte Aufgabe, insbesondere den Schutz des Rechts,die Beschützung der Schwachen und die Verteidigungder Kirche *). Endlich kamen die Hörigen. Sie warenein Stand, in den sie durch Gottes Fügung versetztwaren, hatten aber kein umgrenztes Arbeitsgebiet imSinne einer von Gott gestellten Aufgabe; was ihreArbeit bestimmte, waren die Mandate ihrer Herren.Sie hatten also keine vocatio im Sinne von freiem Beruf.Sie wurden in ihre abhängige Stellung geboren, müssendarin beharren und leisten, was von ihren Herren vonihnen verlangt wird; daher der Vers bei Adalbero:Servorum lacrimae, gemitus non terminus ullus.
Sie arbeiteten für die Herrenmenschen, d. h. fürRitter und Geistlichkeit. Zu ihnen wurden nach demKommentator von Adalberos Gedicht, HadrianusValesius, nicht bloß die Haussklaven und unfreienLandarbeiter, sondern auch die Handwerker und Kauf-leute gezählt. „Diese Art Menschen“, sagt Valesius ,„leben mühselig und sind, als wären sie nur geborenund geschaffen, um von anderen gebraucht zu werden.“
Da kam die Vertreibung der bisherigen Stadt-herren, der Bischöfe oder wer immer die Stadtherrnsein mochten, aus dem Stadtregiment, und mit derFreiheit der Bürger trat auch an die Stelle der Arbeit