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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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entsprechend den Mandaten ihrer Herren die freieBerufsarbeit. Es entsteht in den Zünften der Begriffder Handwerksehre und bei sämtlichen Stadtbürgernder Begriff der Bürgerehre und damit der Berufspflichtund der Bürgerpflicht. Und wie die Kirche die Berufs-tätigkeit der Ritter zu heiligen bestrebt gewesen war,so war sie auch bestrebt, diese Neuorganisationen vonBürgern und Handwerkern in ihr hierarchisches Systemeinzugliedern. Sie erhielten ihre besonderen heiligenSchutzpatrone, eigene Gottesdienste und Geistliche, undwenn schon die Augustiner- und Benediktinermönchedie ununterbrochene Arbeit als von Gott gewollt unddie Beschränkung des Verbrauchs auf das zum LebenNötige als Pflicht erachtet hatten, so predigten selbst-verständlich die Geistlichen nunmehr denen, welche dieArbeit von diesen Mönchen erlernt hatten gemäß derMahnung des Apostels Paulus 1. Kor. 10 und 31:Ihreßt oder trinket oder was ihr tut, so tut es alles zurEhre Gottes; sie erachteten die Arbeit, ohne welchedie Menschen, wie sie von Gott geschaffen waren, daszum Leben Nötige nicht erlangen konnten, wie Basiliusund Augustinus dies getan hatten, für eine von Gott gestellte Aufgabe, genau so wie sie die Erfüllung derRitterpflichten dazu gemacht hatten. Es kamen dieKämpfe der Städte um ihre Befreiung von der feudalenWirtschafts- und Gesellschaftsordnung. In Italien hatten schon die Kämpfe der Städte gegen die deutschenKaiser und den Feudalismus, im Nordwesten Europas die Sporenschlacht von Kortryk (1302), im Norden dieWaffentaten der Dithmarschen, im Süden des deutschenReichs die großen Schweizerschlachten des 14. und15. Jahrhunderts das Selbstbewußtsein der bis dahinabhängigen Gesellschaftsklassen, insbesondere der Stadt-bürger, gegenüber den Herrenmenschen gehoben. DurchArbeit erworbener Reichtum hatte sie stark gemacht;