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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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allen Gebieten des Lebensgenusses zu bober Entfaltunggelangt. Daß ibm gegenüber in der NordwesteckeEuropas das Banausentum und seine Lebensführungdie Grundlage einer ethisch-religiösen Lebensanschauungabgegeben hat, ist nur ein bemerkenswertes Kuriosum;es erklärt sich daraus, daß eben in dieser Nordwesteckedas Kleinbürgertum gegen das Königtum und dieAristokratie im Kampfe lag und in diesem vorüber-gehend gesiegt hat. In diesem Kampfe mußte es ineiner Lehre, welche das, worin seine Stärke war, dieerfolgreiche Berufsarbeit, als Verherrlichung Gottesverklärte und jegliches aristokratisches Wesen alsKreaturvergötterung, welche Gottes Ruhm Abbruchtue, verwarf 1 ), eine mächtige Stütze finden.

Aber gerade den Gedanken, daß die puritanischeBerufslehre eine Wiederspiegelung der Verhältnisse sei,in deren Mitte die puritanischen Prediger lebten, lehntWeber ab®). Er beruft sich auf Baxter, der in seinerAutobiographie selbst hervorgehoben habe, daß für dieErfolge seiner inneren Missionsarbeit mitentscheidendgewesen sei, daß diejenigen Händler, welche in Kidder-minster angesessen waren, nicht reich gewesen seien,sondern nur Nahrung und Kleidung verdient und daßdie Handwerksmeister nicht besser als ihre Arbeitervon der Hand zum Munde gelebt hätten. Wäre diepuritanische Berufslehre kapitalistisch gewesen, sowürde ich diesen Einwand als triftig anerkennen. Dasich aber, wie gezeigt wurde, diese Lehre vollständigin der Anschauungsweise der Händler und Handwerkervon Kidderminster bewegt hat, sehe ich in der Aus-sage Baxters einen Beleg für die Richtigkeit meiner

*) Siehe Archiv für Sozialwissenschaft usw. XXI 33, An-merkung 27.

2 ) Ebenda S. 85, Anmerkung 33.