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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

allein geschuldeten Ehrfurcht x ). Sie strebten danach,selbst in den Kreis der vergötterten Kreaturen auf-genommen zu werden.Sobald sie reich geworden,schreibt Leslie Stephen * 2 ),kauften sie ein großes Hausin Clapham oder Wimbledon, und wenn sie ein großesVermögen erworben hatten, wünschten sie Herren einesGroßgrundbesitzes auf dem Lande zu werden. Dasheißt, sobald die Puritaner Kapitalisten wurden, be-eilten sie sich, dem Puritanismus den Rücken zu kehren;umgekehrt haben die im Kampf gegen die großenKapitalisten stehenden arbeitenden Klassen Englands und die kleinen Krämer noch während des ganzen19. Jahrhunderts die Masse der dortigen Methodistenund Baptisten gebildet.

Desgleichen sind mir Benjamin Franklins Lebenund Lehre ein Beleg für die Richtigkeit meiner Auf-fassung. Weber hat sich durch Kürnbergers, wieWeber selbst sagt 3 ),giftsprühende Charakteristikder amerikanischen Kultur zu arger MißhandlungFranklins verleiten lassen. Franklins Vater war einpuritanischer Seifensieder. Aber wenn er seinenBenjamin, um ihn zur Tüchtigkeit in seinem Berufeanzuspornen, auf die Sprüche Salomos 4 ) c. 22 v. 29verwies, so liegt darin weder etwas spezifisch Puritani-sches noch etwas Kapitalistisches. Es kommt bei Eltern

9 Siehe Archiv für Sozialwissenschaft usw. XXI, 65.

2 ) Leslie Stephen, The English Utilitarians, London 1900, I, 20.

s ) Archiv für Sozialwissenschaft usw. XX, 14.

*) Die Vulgata übersetzt den Vers: »Vidisti virum velocemin opere suo? coram regibus stabit, nec erit ante ignobiles«.Luther übersetzt:Siehest du einen Mann endelich in seinem Ge-schäfte, der wird vor den Königen stehen, und wird nicht vorden unedlen stehen. In der englischen Bibelübersetzung heißtdie Stelle: »Seest thou a man diligent i n his business? heshall stand before kings, he shall not stand before mean men.«