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der jede Behaglichkeit des Lehens, alle Freude, anderenGutes zu tun, alle Achtung seiner Mitbürger und dasbeseligende Gefühl wohlwollender Freundschaft aufgab,um Schätze zu sammeln, sprach ich: ,Armer Mann,du gibst zuviel für deine Pfeife““, und in seinem Auf-satz „über wahre Glückseligkeit“ bezeichnet er J ) stattdes Erwerbs von Geld und immer mehr Geld, als dassummum bonum, vielmehr die „Gleichgültigkeitgegen dieDinge dieserWelt, Ergebung in denWillen der Vorsehung und wohlbegründete Erwartungeiner besseren Zukunft; nur sie könnten uns zum Ge-nüsse der wahren Selbstzufriedenheit führen“. Philoklesaber erläutert 2 ) die Selbstverleugnung als Ursache desgrößten Glücks, indem er sagt: „Ich spreche von allenFreuden der Sinne. Das Heil der Menschen kann niein bloß sinnlichen Genüssen bestehen; denn, wennirgendeiner der Gegenstände, die du sinnlich begehrst,abwesend oder nicht zu bekommen ist, so bist du gewißunglücklich, und wenn der Gegenstand da, die Fähig-keit zum Genüsse aber geschwächt ist, so kannst duihn dennoch nicht genießen, so daß der sinnliche Genußdurch tausenderlei Dinge, in und außer dir, bedingtist, welche alle nicht in deiner Macht sind. Kanndarin das Heil der Menschen bestehen? Sage selbst,ist das nicht ein schwankendes, flüchtiges und launischesHeil ? Kann dasjenige, bei einiger Genauigkeit derSprache, das Heil der Menschen genannt werden, indessen Besitz er noch elend sein kann, und bei dessenEntbehrung er notwendig elend sein muß ? Kann dasunser Heil sein, dessen Erwerbung uns. viel Mühe undSorge macht, dessen Besitz aber zum Überdruß führt,so daß wir erst die Wiederkehr des Appetits abwartenmüssen, bevor wir es wieder genießen können? Oder
') Franklins Leben usw. II, 208.
! ).Ebenda II, 224ff.