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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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ist das unser wahres Heil, was wir ohne Schwierigkeiterlangen können, was durch den Besitz an Wert ge-winnt , was nie zur Übersättigung und Täuschungführt, und was eben durch den fortgesetzten Genußimmer genießbarer für uns wird? . . . Ich habe dirgezeigt, was das Heil nicht ist; es ist kein sinnliches,sondern ein vernünftiges Gut; es ist die wahreWohltätigkeit, diedarinbesteht, daßwirdurch Handlungen der Menschlichkeit,der Freundschaft, der Großmut und desWohlwollens anderen soviel Gutes tun,als wir können; das ist jenes beständige dauerndeHeil, welches uns eine immer gleiche Zufriedenheit undGenugtuung gewährt, ohne Wechsel und ohne Ab-nahme. Ich will mich auf deine eigene Erfahrung be-rufen. Ist es dir jemals überdrüssig geworden, dasElend anderer zu erleichtern, oder die von KummerGebeugten wieder aufzurichten zu neuer Lebenslust?Oder hast du nicht vielmehr gefunden, daß die öftereWiederholung solcher Handlungen deine Freudigkeitnur erhöhte und daß diese in der Erinnerung nochgrößer war, als bei der Handlung selbst? Gibt eseine Freude auf Erden, die zu vergleichen wäre mitderjenigen, welche aus dem Gefühle entspringt, andereglücklich gemacht zu haben ? Kann diese Freude dichje verlassen oder jemals aufhören, solange du existierst?Begleitet sie dich nicht fortwährend; legt sie sichnicht mit dir schlafen; steht sie nicht mit dir wiederauf; lebt sie nicht, solange du selbst lebst; wird siedir nicht Trost gewähren in der Todesstunde; dir nichttreu bleiben, wenn alles andere dich verlassen will,oder wenn du von allem anderen dich trennen mußt ?Und dann schließt der Dialog mit folgender Aus-führung:Wenn du aber tieferforschest, . . . warumdie moralischen Freuden größer sind als die sinnlichen,

L. Brentano , Der wirtschaftende Mensch 27