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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

Max Weber selbst hat an verschiedenen Stellen seinerAufsätze anf die enge Verwandtschaft von Juden undPuritanern verwiesen. Auch ist es eine alte Sache,daß die Puritaner dem Alten Testament mit Ausnahmejener Lehren, die durch das Neue ausdrücklich beseitigtworden waren, den gleichen Rang wie dem Neuen bei-gelegt haben. Seine Vorschriften waren auch ihreVorschriften; mit Vorliebe haben die Puritaner alt-testamentarische Namen als Taufnamen gewählt, undwie die Juden hielten sie sich für das auserwählteVolk. Darauf hat Sombart 1911 sein BuchDie Judenund das Wirtschaftsleben veröffentlicht, in dem er,angesichts der weit schärferen Ausprägung der fürdie kapitalistische Entwicklung bedeutsamen Ideen desPuritanismus in der jüdischen Religion, an Stelle desPuritaners den Juden zum konkreten Träger des ab-strakten Strebens nach unbegrenztem Gewinn gemachthat. Dadurch waren dann alle die Schwierigkeitenbehoben, welche das Auftreten des Kapitalismus, langebevor es Puritaner gab, der Weberschen These be-reitet; man mußte nur die Welt davon überzeugen,daß überall, wo sich vor den Puritanern Kapitalistenfinden, in Italien und anderen Ländern, diese offeneoder heimliche Juden oder Nachkommen von Judengewesen seien.

Dieses Sombartsche Buch von 1911 ist eine derbetrüblichsten Erscheinungen auf dem Gebiete derdeutschen Wissenschaft. Wenn ich im vorigen Ab-schnitte der Lehre Max Webers entgegen getreten bin,habe ich dies nur mit der größten Überwindung getan ;denn ich verehre in ihm einen Mann von ungewöhn-lichem Geiste, außerordentlicher Gelehrsamkeit undunerbittlichem wissenschaftlichem Ernst. Aber da ichseine Lehre vomGeist des Kapitalismus für falschund seinen Trrtum für den Ausgangspunkt weiterer