Judentum und Kapitalismus
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wissenschaftlicher Irrtümer erachte, habe ich michtrotz aller meiner persönlichen Verehrung für ver-pflichtet gehalten, seiner Lehre entgegenzutreten.Anders mit Sombart . Schon sein Werk von 1902 hat,wie im ersten Abschnitt gezeigt worden ist, über das,was die Quellen besagen, nicht selten mit der größtenWillkür geschaltet, um sie mit seinen Lehren in Über-einstimmung zu bringen. Sein Buch von 1911 zeigtdiese Willkür in gesteigertem Maße. Gewiß ist eserfreulich, daß Sombart manche der in seinem 1902erschienenen Werke mit großer Sicherheit vorgetragenenSätze fallen gelassen zu haben scheint. Wir hörennichts mehr von der Entstehung des Kapitals ausakkumulierter Grundrente, wenn er auch als an einemEckstein seiner Lehre daran festhält, daß die Ent-stehung des Kapitals mit dem Handel nichts zu tunhabe 1 ). Immerhin aber wird nicht mehr das in seinem„Modernen Kapitalismus“ an drei Stellen wiederholteRechenexempel Leonardo Pisanos von dem Kaufmann,der dreimal sein Kapital verdoppelt und nichts übrigbehält, als Beleg für die unerhebliche Bedeutung desHandels vor 1204 heran gezogen, und von dem Erscheinendes Rechenbuchs Leonardos im Jahr 1204 und dergleichzeitigen Eroberung Konstantinopels durch dieLateiner wird nicht mehr die Entstehung des modernenKapitalismus datiert. Diese Auffälligkeiten seinesfrüheren Werkes haben aber nur ärgeren EinfällenPlatz gemacht. Das Buch ist voll der Frivolitäteneines sich als Übermensch fühlenden Übermütigen, derdie Seifenblasen seiner Laune dem durch Geistreicheleienverblüfften Leser mit souveräner Verachtung ins Ge-sicht bläst und dazu von ihm verlangt, daß er seine