Einfälle als „unwiderleglich richtige“ wissenschaftlicheSätze annehme.
Ein so hartes Urteil über ein Buch, das so vieleAuflagen erlebt hat, bedarf der Begründung. Ummit seiner Darstellung zu beginnen:
Der moderne Kapitalismus entsteht in SombartsBuche über „Die Juden und das Wirtschaftsleben“ 1 )nahezu drei Jahrhunderte später wie früher, 1492 bzw.1495 und 1497, mit der Austreibung der Juden ausSpanien 1 ). Diese erklärt nach ihm auch „eine für denVerlauf der modernen wirtschaftlichen Entwicklungentscheidend wichtige Tatsache, die Verlegung desSchwergewichts der wirtschaftlichen Beziehungen ebensowie des ökonomischen Energiezentrums aus dem Bann-kreise der südeuropäischen Nationen (Italiener , Spanier,Portugiesen, denen sich einige süddeutsche Gebieteangliederten) unter die nordwesteuropäischen Völker :Zuerst die (Belgier und) Holländer, dann die Franzosen ,die Engländer, die Norddeutschen.“ Die „Historiker“hätten bisher die schnurrigsten Grunde dafür angeführt:so z. B. die Entdeckung Amerikas und des Seewegsnach Ostindien. Dadurch sei der Levantebandel inseiner Wichtigkeit beeinträchtigt und dadurch dieStellung namentlich der süddeutschen und italienischenStädte als dessen Träger erschüttert worden. Undnun geht Sombart gegen diese Auffassung vor. Waser dagegen vorbringt, ist für seine Argumentations-weise typisch. Es sei mir daher gestattet, in meinerKritik etwas ausführlicher zu sein.
Als erstes sagt er, der Levantehandel habe dasganze 17. und 18. Jahrhundert hindurch seine Vor-herrschaft vor dem Handel mit „fast“ allen anderenLändern behauptet. Das Wort „fast“ soll wohl für
l ) Ebenda S. 13 ff.