Judentum und Kapitalismus
445
anführt, ungenau zitiert und die zitierten Stellen nichtselten völlig entstellt, die Sätze häufig verstümmeltund dafür andere eigener Erfindung hinzugefügt, bisdas Zitat seinen Wünschen entsprach. All’ dies wirdihm im einzelnen an der Hand der Quellen nachge-wiesen.
Ich selbst kenne von den jüdischen Schriften nurdas Alte Testament 1 ). Nach der Art und Weise, wieSombart dieses mißhandelt hat, kann ich diesem Urteilnur beitreten. Vor allem aber: nach den Anschau-ungen des Alten Testaments hat es nur einen Eigen-tümer gegeben: Jahve. Dieser hatte jeder Familieden ihr gebührenden Anteil am Lande verliehen. Injedem Sabbatjahr sollte das Land aufs neue gleich-mäßig verteilt und so der auf die Ebenmäßigkeit desBesitzes und Gleichheit des Rechts begründete normaleZustand des Reichs wiederhergestellt werden; des-gleichen sollte alle sieben Jahre ein vollständigerSchuldenerlaß stattfinden und das Land brach liegenbleiben, so daß „die Armen des Volks davon essen“konnten. Wie immer es sich mit der praktischen Aus-führung dieser Vorschrift verhalten haben mag, jeden-falls zeigt sich darin die der jüdischen Religion eigen-tümliche Vorstellung über das Verhältnis des Menschenzum Besitz, und diese Vorstellung ist auch, nachdemvon einer praktischen Durchführung des Sabbatjahreslängst nicht mehr die Rede sein konnte, maßgebendgeblieben für die Regelung der Verhältnisse sowohlder Leviten als auch der Armen. Für die Nutznießungdes Jahve allein gehörigen Eigentums mußten nämlichdie einzelnen Nutznießer sowohl den Leviten als auch