452
phischein Mysterienwesen vorhandenen Askese zur wissen-schaftlichen Rechtfertigung wurde . . . Aus dieser Ethikstammt in der altchristlichen Sittenlehre die Forderungeiner Weltentsagung, die in mönchischer Tugend ihrenhöchsten Ausdruck findet.“
Die beiden Fragen, ob die Lehre von dem Wider-spruch zwischen der triebhaften Natur des Menschenund der Sittenlehre und ob sich die Rechenhaftigkeitin dem Verhältnis zwischen Mensch und Gott nur beiden Juden finden, sind also zu verneinen; dasselbe giltfür die dritte Frage. Es ist auch nicht richtig, daßdie Völker nördlich der Alpen, als sie mit der An-nahme des Christentums auch die dualistische Lehreannahmen, kapitalistisch geworden seien. Nach SombartsLehre hätte dies allerdings eintreten müssen. Denndiese Lehre führt ja nach ihm zu solchem Brechen derKnochen des triebhaften Menschen, daß nun auch derRationalisierung seines weltlichen Lebens nichts mehrhemmend im Wege steht und der traditionalistischeGeist vor dem kapitalistischen das Feld räumt. Dasmit dem Dualismus, nach Sombart , eintretende geschäfts-mäßige Verhalten der Menschen zu Gott hat auf dieWirtschaftsorganisation gar keinen Einfluß geübt. Esist den gewalttätigen Großen im Mittelalter zwar oftenergisch zu Gemüt geführt worden, daß sie sich durchfromme Stiftungen zugunsten des Reiches Gottes aufErden von der Bestrafung ihrer Missetaten im Jenseitsloskaufen müßten, und es ist bekannt, welch enormerBesitz sich als Folge in den Händen der Kirche ver-einigt hat 1 ); aber das Wirtschaftsleben ist nach wievor traditionalistisch geblieben.