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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Judentum und Kapitalismus

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Eine Frage aber drängt sich bei Sombarts Lehre,daß der Kapitalismus nichts anderes sei als der Ausflußder jüdischen Religion, notwendig auf. Sombart schreibtüber die Leistungen der Juden:Sie haben uns denEinigen Gott und Jesum Christum und also das Christen-tum geschenkt mit seiner dualistischen Moral . . . DieJuden haben den Kapitalismus in seiner heutigen Gestaltmöglich gemacht. Nach Sombart haben die Judenalso zweierlei getan: das Christentum angeregt undden Kapitalismus . Beide sollen Ausstrahlungen jüdischenGeistes sein. Beide aber widersprechen sich. Sombart selbst setzt den von der christlichen Lehre gelehrtenTraditionalismus wiederholt dem kapitalistischen Strebennach unbegrenztem Reichtum gegenüber. Das Juden-tum hat also gleichzeitig das Entgegengesetzte aus-gestrahlt, eine Religion des selbstlosen Sichgenügensund eine Religion des schrankenlosen Begehrens!! Wärees da, statt den modernen Kapitalismus als Ausstrahlungjüdischen Wesens und den homo judaicus mit dem homocapitalisticus zu identifizieren, nicht angemessenergewesen, auf die Juden die Worte anzuwenden, welchePasquale Villari in der Vorrede zu seiner Geschichtedes mittelalterlichen Italien von Karl dem Großen biszu Heinrich VII. geschrieben hat ? :Wir haben ohneWiderrede uns dem Urteil fremder Schriftsteller unter-worfen, daß die Italiener von Natur ein für Religiongleichgültiges, ja jeden religiösen Sinnes geradezu baresVolk sind. Man hat wiederholentlich über uns gesagt,daß wir uns immer ausschließlich mit Jurisprudenz,Handel, Gewerbbetrieb, Literatur und Kunst beschäftigthaben. Selbst in den Kreuzzügen sollen wir nur eine

die zahllosen Kommendationen um Erlaß der Sündenstrafen willenbis hin zu den Spenden der Gläubigen zur Zeit von TetzeisAblaßhandel.