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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

Gelegenheit, Geld zu verdienen, erblickt und nichtim geringsten Maße an dem unbezähmbaren religiösenEnthusiasmus teilgenommen haben, der andere Nationenhin nach dem Osten gedrängt hat, damit das GrabChristi aus der Hand der Ungläubigen befreit werde.Derartige Äußerungen würden fast zu der Annahmenötigen, daß der hl. Benedikt, der hl. Franziskus, derAbt Joachim, selbst Arnold von Brescia, Leo I. ,Gregor der Große, Gregor VII. und viele andere keinegeborenen Italiener gewesen seien. Und doch ist unsereganze Geschichte bis hin zum Tode Dante Alighieris ein Beweis des Gegenteils. Während dieses Zeitraumserhob sich das religiöse Leben zur allergrößten Be-deutung, und es hat kein großes politisches Ereignisgegeben, das nicht durch eine religiöse Bewegung undreligiöse Kämpfe eingeleitet und von ihnen begleitetund belebt gewesen wäre . . . Man hat eben die ver-schiedensten Typen und Perioden untereinander gemengt.Um die dadurch entstandenen schweren Irrtümer zuverbessern . . . genügt es, die wohl erwiesenen Tatsachenzu erzählen, ohne ihnen irgendwie Gewalt anzutun,und einer jeden die ihr zukommende verhältnismäßigeBedeutung zuzuweisen. Warum hat sich Sombart ,als er das Christentum und den Kapitalismus, die,wie er selbst nicht leugnet, miteinander in Wider-spruch stehen, als Ausstrahlungen des Judentums undder jüdischen Religion hinstellte, nicht entschlossen,Villaris Beispiel zu folgen?

Ich will nun erzählen, wie die Juden zum Kapi-talismus gekommen sind. Dabei wird sich ausreichendGelegenheit finden, einige der gröbsten Irrlehren Som-barts richtig zu stellen.

Ursprünglich sind die Juden kein Handelsvolkgewesen. Darin stimmen alle, die sich mit ihrer Ge-schichte beschäftigt haben, überein.Man nimmt wohl