455
allgemein an,“ sagt Sombart 1 ), „daß Israel sowohlwie Juda durch die Vermischung verschiedenerorientalischer Völker entstanden sei.“ Im 15. Jahr-hundert v. Chr. haben sie das Land Kanaan sichunterworfen. Als sie in das Land eintraten, sind sieaber nicht der umherirrende Beduinenstamm gewesen,als welchen sie Sombart bezeichnet 2 ). Vielmehr scheint,um mit Max Weber 3 ) zu sprechen, eines sicher: eineigentliches Nomadenvolk oder ein „Beduinenstamm “sind die historischen Israeliten, auch ihre herrschendenSchichten, niemals gewesen. Auch „dürfen die He-bräer, trotz der größeren Rücksicht, welche das alteGesetz gegenüber dem Deuteronomium auf die Ver-hältnisse des Viehbesitzes nimmt, schwerlich als einin jener Zeit auch nur vornehmlich viehzüchtendes Volkangesehen werden“. Vielmehr war die landwirtschaft-liche Tätigkeit der Einzelnen je nach der natürlichenBeschaffenheit des Gebietes, in dem sie lebten, verschieden.
Im Bergland östlich vom Jordan waren die Be-dingungen für Viehzucht gegeben. Daher Numeri 32den Stämmen Rüben, Gad und dem halben StammManasse mit Rücksicht auf ihren großen Viehstanddie Bezirke östlich des Jordans zugewiesen wurden.Gerade diese Stelle aber zeigt, daß die genanntenStämme im Gegensatz zu den übrigen besonders alsHirten gelebt haben 4 ). Und wenn es im Deboraliede,
1 Sombart , Die Juden usw. S. 340. 2 ) A. a. 0. S. 405.
a ) Agrargeschichte des Altertums im Handwörterbuch der
Staats Wissenschaften, 3. A., I, 90, 91.
4 ) Nach Max Löhr, Israels Kulturentwicklung, Straß bürg1911, sind die Hebräer zwar ursprünglich Nomaden gewesen.Nach ihrer Niederlassung seien sie zunächst Halbnomaden, nichtgleich an der Scholle haftende Ackerbauer oder gar Städtebewohnergeworden (S. 21, 22). So hätten Abraham, auch noch Jakob undseine Söhne in Zelten gewohnt. Aber schon von Isaak und Jakob würden Feldbestellung und Weizenernte erwähnt (S. 22, 23). Aber